Der Konflikt zwischen Washington und seinen europäischen Verbündeten erreicht eine neue Stufe. US-Präsident Donald Trump stellt offen NATO-Basen in Deutschland und Spanien infrage — und das Bündnis steht vor einer seiner schwersten Belastungsproben seit Jahrzehnten.
Trumps Ansage: „Die NATO ist stark abgerutscht“
Bei einer Medienrunde im Weißen Haus ließ Trump keine Zweideutigkeit offen. Wie NIUS berichtet, reagierte er auf die Forderung des republikanischen Senators Lindsey Graham, US-Basen in Deutschland und Spanien infrage zu stellen, mit den Worten: „Das Hinterfragen ist gerechtfertigt. Ich denke, die NATO ist stark abgerutscht, weil sie nicht geholfen haben.“
Der Kern des Streits: Trump verlangt, dass europäische NATO-Partner Kriegsschiffe zur Sicherung der Straße von Hormus entsenden. Die Begründung ist einfach — und politisch schlagkräftig. Europa beziehe einen Großteil seiner Energie durch diese Meerenge, also solle es auch zu deren Schutz beitragen. In einem Interview mit der Financial Times, wie 20 Minuten berichtet, formulierte Trump es unmissverständlich: Bleibe die Unterstützung aus, sei das „sehr schlecht für die Zukunft der NATO“.
Hormus: Die Engstelle, an der die Weltwirtschaft hängt
Die Straße von Hormus zwischen Iran und Oman ist keine abstrakte geopolitische Größe. Wie exxpress.at berichtet, fließen durch sie normalerweise rund 20 Prozent des globalen Ölhandels. Seit dem Beginn des US-israelischen Krieges gegen den Iran Ende Februar blockiert Teheran die Meerenge als Vergeltungsmaßnahme — mit Minen, Drohnen und Raketenangriffen. Laut ZDF sind die einst täglich 138 passierenden Schiffe auf ein halbes Dutzend geschrumpft.
Die Folgen sind spürbar: explodierende Energiepreise, Versorgungsengpässe, eine drohende Rezession. Euronews berichtet, dass seit Kriegsbeginn mindestens 20 Handelsschiffe vor der iranischen Küste angegriffen wurden.
Merz bleibt hart — Europa signalisiert vorsichtig Gesprächsbereitschaft
Die Antwort aus Berlin ist klar. Wie t-online berichtet, sagte Trump-Vertrauter Lindsey Graham nach einem Gespräch mit dem US-Präsidenten: „Ich habe ihn noch nie in meinem Leben so wütend erlebt.“ Bundeskanzler Friedrich Merz ließ sich davon nicht beeindrucken und teilte via X mit: „Wir werden uns nicht daran beteiligen, in der Straße von Hormus mit militärischen Mitteln eine freie Schifffahrt zu gewährleisten. Der Krieg im Nahen Osten ist nicht Angelegenheit der NATO.“
Bundesaußenminister Johann Wadephul schloss eine Bundeswehr-Beteiligung ebenfalls aus. Er sehe zum jetzigen Zeitpunkt keine „unmittelbare Notwendigkeit“, wie Euronews berichtet. Verteidigungsminister Boris Pistorius ergänzte, Deutschland werde keine Schiffe entsenden — über das bestehende EUNAVFOR ASPIDES-Mandat hinaus sei eine Beteiligung rechtlich auch nicht möglich.
Immerhin: Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, die Niederlande und Japan unterzeichneten zuletzt eine gemeinsame Erklärung, in der sie die iranische Blockade verurteilten und grundsätzliche Bereitschaft zu „geeigneten Bemühungen“ signalisierten — offensive Militäroperationen schlossen sie dabei aber ausdrücklich aus.
Was steht auf dem Spiel?
Trump droht erstmals offen damit, die Stationierung amerikanischer Truppen in Europa zur Debatte zu stellen. In Deutschland sind laut NIUS mehr als 50.000 US-Soldaten stationiert, das Herzstück ist die Ramstein Air Base — das größte US-Militärdrehkreuz außerhalb der Vereinigten Staaten. In Spanien operiert die Naval Station Rota bei Cádiz mit rund 4.000 amerikanischen Soldaten und Zivilisten.
Experten mahnen zur Vorsicht. Marinefachmann Moritz Brake erklärte im ZDF, ein Einsatz in der Hormus-Meerenge sei technisch machbar, berge aber erhebliche Risiken für Besatzungen: „Absolute Sicherheit wird es nicht geben.“ Politologe Moritz Weiß von der LMU München sieht in Trumps Vorgehen gegenüber t-online psychologischen Druck: Der US-Präsident habe sich im Iran-Krieg verkalkuliert und wolle nun die Europäer in den Schlamassel hineinziehen.
Der transatlantische Graben wächst — und weder Washington noch Europa scheinen bereit, nachzugeben.
Quellen:
- exxpress.at: NATO-Zoff eskaliert: Trump attackiert Europas Rolle
- NIUS: „Sie sollten in der Straße von Hormus helfen“
- t-online: Straße von Hormus — Trump spricht über NATO-Austritt
- t-online: Iran-Krieg, Straße von Hormus und Europa — „NATO-Austritt der USA töricht“
- Euronews: Straße von Hormus — will Trump die Minenräumer der Bundeswehr?
- ZDF heute: Straße von Hormus — Experte warnt vor Risiken eines Marineeinsatzes
- 20 Minuten: Trump fordert NATO-Unterstützung — „Schlecht für die Zukunft der NATO“
Credits: APA
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