Washington erhöht den Druck auf die Europäer – mit Konsequenzen, die das Bündnis grundlegend verändern könnten.
Der Bericht, der aufhorchen lässt
Seit seiner Rückkehr ins Weiße Haus prüft US-Präsident Donald Trump den Abzug amerikanischer Truppen aus Deutschland. Wie der britische Telegraph unter Berufung auf Insider aus dem Regierungsumfeld berichtet, haben sich diese Überlegungen zuletzt merklich intensiviert. Derzeit sind rund 38.000 US-Soldaten in Deutschland stationiert, mit wichtigen Stützpunkten in Rheinland-Pfalz – darunter die Ramstein Air Base –, Bayern und Baden-Württemberg, wie Euronews festhält.
Die Botschaft aus Washington ist dabei unmissverständlich. Gegenüber dem Telegraph erklärten Quellen aus dem Umfeld des Präsidenten: „Die Frustration, die wir gegenüber den Europäern empfunden haben, ist sehr real.“
Pay-to-play: Wer nicht zahlt, hat nichts zu sagen
Parallel zum möglichen Truppenabzug prüft Trump laut Weltwoche und Euronews ein sogenanntes „Pay-to-play“-Modell für die NATO. Die Idee dahinter ist radikal: Staaten, die künftig nicht fünf Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts für Verteidigung aufwenden, sollen bei zentralen Bündnisentscheidungen kein Mitspracherecht mehr haben – bis hin zu Fragen rund um Artikel 5, den Bündnis-Beistandsfall.
Damit stünde nicht weniger als der Grundkonsens der NATO zur Debatte. Bisher gilt das Zwei-Prozent-Ziel, das beim NATO-Gipfel im Juni 2025 auf fünf Prozent angehoben wurde. Deutschland gibt laut dem am Donnerstag veröffentlichten NATO-Jahresbericht für 2025 rund zwei Prozent seines BIP für Verteidigung aus – also 52 Milliarden Euro aus dem regulären Haushalt zuzüglich Mittel aus dem Sondervermögen. Aus Trumps Sicht: zu wenig.
Auslöser: Streit um die Straße von Hormus
Der unmittelbare Hintergrund der Eskalation liegt im aktuellen Iran-Konflikt. Wie Apollo News unter Berufung auf den Telegraph berichtet, hatte Trump die europäischen Verbündeten aufgefordert, Kriegsschiffe zur Wiederöffnung der Straße von Hormus zu entsenden – und war dabei auf Ablehnung gestoßen. Aus Sicht des Weißen Hauses ein weiteres Zeichen dafür, dass die Europäer die Lasten des Bündnisses nicht ernst genug nehmen.
NATO-Generalsekretär Mark Rutte reagierte pragmatisch: Beim bevorstehenden NATO-Gipfel in Ankara sollen die Staats- und Regierungschefs konkrete Pläne vorlegen, wie das Fünf-Prozent-Ziel erreicht werden kann.
Formell noch kein offizieller Schritt
Drei NATO-Beamte erklärten gegenüber dem Telegraph, dass US-Gesandte die Truppenabzugspläne am Brüsseler Bündnissitz bislang nicht formell eingebracht haben. Eine Quelle räumte jedoch ein, dass US-Vertreter in mehreren Diskussionsforen aktiv auf das „Pay-to-play“-Modell gedrängt hätten. Der Druck ist also real – auch wenn er noch hinter verschlossenen Türen ausgeübt wird.
Für Deutschland und Europa gilt: Die transatlantische Sicherheitsarchitektur, die seit Jahrzehnten als selbstverständlich galt, steht unter einem Druck wie selten zuvor.
Quellen: The Daily Telegraph (telegraph.co.uk), Weltwoche (weltwoche.de), Euronews (de.euronews.com), Apollo News (apollo-news.net), Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg (lpb-bw.de)
Credits: APA
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