Der Diktator ist weg, die US-Sanktionen sind gefallen und der österreichische Staat winkt mit Tausenden Euro Startkapital. Doch die Realität an den Flughäfen ist ernüchternd: Die erhoffte große Rückreisewelle findet schlichtweg nicht statt.
Es klingt wie ein schlechter Scherz für den Steuerzahler: Seit über einem Jahr ist das Schreckensregime von Bashar al-Assad Geschichte. In Damaskus regiert nun Ahmed al-Sharaa, der sich international als Staatsmann gibt und sogar von US-Präsident Donald Trump hofiert wird. Doch wer geglaubt hat, dass die Syrer in Österreich nun ihre Koffer packen, um beim Wiederaufbau ihrer Heimat zu helfen, der irrt gewaltig. Die nackten Zahlen des Innenministeriums sprechen eine brutale Sprache.
Nur 0,81 Prozent wollen heim
Wie der eXXpress unter Berufung auf offizielle Daten berichtet, haben im Zeitraum vom 9. Dezember 2024 bis zum 30. Jänner 2026 gerade einmal 860 Syrer Österreich freiwillig verlassen. Zum Vergleich: In der Alpenrepublik leben aktuell rund 105.000 syrische Staatsbürger. Das bedeutet, dass nicht einmal ein Prozent – mickrige 0,81 Prozent – die Chance zur Heimreise genutzt haben.
Dabei lässt sich die Republik die Rückkehr einiges kosten. Wer geht, bekommt Bares auf die Hand. Wie die Plattform returnfromaustria.at aufzeigt, lockt der Staat mit bis zu 1.000 Euro Startgeld pro Person. Familien können sogar bis zu 3.000 Euro abkassieren, wenn sie sich für einen Neustart in der Heimat entscheiden. Doch selbst diese Finanzspritze scheint kaum jemanden zu überzeugen.
Internationale Experten sehen Stabilisierung
Die Weigerung zur Rückkehr verwundert umso mehr, wenn man den Blick über die Grenzen schweifen lässt. Wie das Institute for National Security Studies (INSS) analysiert, hat sich die Übergangsregierung unter al-Sharaa massiv um Stabilisierung bemüht. Die USA haben unter Präsident Trump die harten „Caesar“-Sanktionen aufgehoben, und internationale Investoren klopfen bereits in Damaskus an.
Auch Reuters meldet, dass al-Sharaa – einst Rebellenführer – nun mit weißer Weste im Weißen Haus empfangen wurde und Reformen vorantreibt. Die Sicherheitslage ist zwar fragil, und im Hintergrund lauert noch immer die Gefahr durch den IS, doch von einem flächendeckenden Krieg wie früher kann keine Rede mehr sein. In den Nachbarländern sieht es anders aus: Laut Berichten des Mediendienst Integration sind aus der Türkei und dem Libanon bereits Hunderttausende in ihre Heimat zurückgekehrt. Warum also klammern sich die Syrer in Österreich so fest an ihren Aufenthaltsstatus?
Politik streitet, Asylzahlen steigen
Während das Innenministerium laut eXXpress beschwichtigt und betont, eine Rückkehr finde „laufend statt“, schäumen die Freiheitlichen vor Wut. Die FPÖ kritisiert scharf, dass allein im Jahr 2025 noch einmal 2.500 Syrern frisches Asyl gewährt wurde – und das, obwohl das Assad-Regime längst Geschichte war.
Die Bilanz der Zwangsmaßnahmen ist dabei ebenso überschaubar wie die der Freiwilligen: Nur knapp über 100 Personen wurden laut den vorliegenden Daten zwangsweise außer Landes gebracht. Außenministerin Beate Meinl-Reisinger (NEOS) forderte zwar zuletzt bei einem Besuch in Damaskus „klare Kante“ bei Abschiebungen, doch passiert ist bisher herzlich wenig.
Quellen: exxpress.at, mediendienst-integration.de, bundestag.de, inss.org.il, reuters.com, returnfromaustria.at
Credits: APA
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