Verteidigungsministerin Klaudia Tanner pocht auf die Eurofighter-Nachfolge – und kontert damit ihren eigenen Koalitionspartner im Finanzministerium.
Das Nein des Finanzministers
Der Streit begann mit einem Interview. Wie die Kronen Zeitung berichtete, erteilte Finanzminister Markus Marterbauer (SPÖ) dem Wunsch des Verteidigungsministeriums nach Milliarden für neue Abfangjäger eine klare Absage: Er sehe „keinen Spielraum für zusätzliche Anschaffungen“ über das bereits Vereinbarte hinaus. Wie nachrichten.at berichtet, sah ÖVP-Generalsekretär Nico Marchetti darin einen klaren Bruch der Regierungslinie – und fragte öffentlich, ob es sich um Marterbauers Privatmeinung oder die offizielle SPÖ-Linie handle.
Tanner: „Unabdingbar notwendig“
Verteidigungsministerin Klaudia Tanner (ÖVP) ließ das nicht auf sich sitzen. Wie oe24 aus einem TV-Interview berichtet, bezeichnete sie Luftverteidigung als „etwas unabdingbar Notwendiges“ – und verwies auf die aktuellen Entwicklungen in der Welt. Die Vergabeverfahren für eine Nachfolge brauchen Zeit, so Tanner, und die Eurofighter laufen technisch Ende 2035 aus. „Rechtzeitig“ müsse die Entscheidung also fallen. Zur Finanzierung setzt sie auf die nationale Ausweichklausel im EU-Defizitverfahren, die laut Tanner mehr Spielraum bei Verteidigungsausgaben schafft. Im Regierungsprogramm, so die Ministerin gegenüber oe24, sei ohnehin verankert, bis 2032 auf zwei Prozent des BIP bei den Verteidigungsausgaben zu kommen.
Generalstab schlägt Alarm
Auch das Bundesheer selbst meldete sich zu Wort. Wie der ORF unter Berufung auf eine APA-Aussendung berichtet, warnte Luftstreitkräfte-Kommandant Gerfried Promberger vor einer handfesten Sicherheitslücke: „Abfangjäger sind kein Luxus, sondern ein zentrales Instrument zur Sicherung der Souveränität, Neutralität und zum Schutz der Bevölkerung.“ Wie vienna.at berichtet, sieht Promberger die Entscheidung über einen Nachfolger als zeitkritisch: Die Einführung neuer Maschinen sei komplex und müsse spätestens 2026/2027 beschlossen werden, damit der Betrieb bis 2032 anlaufen kann. Generalstabschef Rudolf Striedinger wurde laut nachrichten.at noch deutlicher: Ohne Nachbeschaffung werde der Luftraum ab 2035 faktisch ungeschützt sein – ein „Freifahrtschein für jeden Angriff aus der Luft“.
50 bis 60 Luftraumverletzungen pro Jahr
Wie real die Bedrohung im Alltag ist, machte Tanner im oe24-Interview mit konkreten Zahlen deutlich: Rund 50 bis 60 Mal jährlich kommt es zu Luftraumverletzungen – Fälle, bei denen Eurofighter aufsteigen müssen, weil kein Funkkontakt zu einem Flugzeug besteht. Für Tanner eine klare Ansage: Wer beim Thema Sicherheit Parteipolitik in den Vordergrund stelle, handelt verantwortungslos.
Wehrpflicht und Sky Shield
Neben der Abfangjäger-Debatte sprach sich Tanner laut oe24 auch für eine Verlängerung von Wehr- und Zivildienst aus – mit Umsetzung ab 1. Jänner 2027. Das Luftverteidigungssystem Sky Shield bezeichnete sie als gesetzt: „Das muss kommen.“
Quellen:
- oe24.at: „Tanner kontert Marterbauer: Abfangjäger-Kauf unabdingbar“ (24.03.2026)
- Kronen Zeitung: Interview mit Finanzminister Markus Marterbauer (März 2026)
- Die Presse am Sonntag: Interview mit Verteidigungsministerin Klaudia Tanner (März 2026)
- ORF.at/APA: „Kommandant warnt vor Sicherheitslücke bei Luftverteidigung“ (22.03.2026)
- nachrichten.at: „Aussagen über Abfangjäger: Scharfe ÖVP-Kritik an Marterbauer“ (21.03.2026)
- vienna.at: „Bundesheer-Kommandant schlägt Alarm: Sicherheitslücke ohne Abfangjäger“ (22.03.2026)
Credits: APA
Neueste Kommentare