Tanktourismus und Rationierung: Der Sprit-Schock trifft Österreich mitten ins Alltagsleben

Tanktourismus und Rationierung: Der Sprit-Schock trifft Österreich mitten ins Alltagsleben

Der Iran-Krieg hat Europa längst an der Zapfsäule erreicht. In Österreich sind die Benzin- und Dieselpreise seit Kriegsbeginn Ende Februar massiv gestiegen — wie Euronews auf Basis der EU-Kommissionsdaten berichtet, legte der Benzinpreis hierzulande von rund 1,51 Euro auf 1,71 Euro pro Liter zu, ein Anstieg von rund 13 Prozent innerhalb weniger Wochen. Vielerorts kostet Diesel inzwischen über zwei Euro.

Ansturm auf Slowenien — jetzt mit Limite

Die Reaktion vieler Österreicher war pragmatisch: Wer nahe der Grenze wohnt, fuhr einfach nach Slowenien. Dort hält die Regierung die Preise durch eine amtliche Regelung niedrig — Benzin 95 Oktan kostet derzeit laut oe24 rund 1,47 Euro pro Liter. Der Ansturm war so groß, dass Sloweniens Ministerpräsident Robert Golob reagieren musste. Wie weekend.at berichtet, gilt seit Sonntag, dem 22. März, eine landesweite Rationierung: Privatpersonen dürfen an slowenischen Tankstellen nur noch maximal 50 Liter Kraftstoff pro Tag tanken, Unternehmen bis zu 200 Liter. Die Treibstofflager seien zwar gefüllt, die Logistik komme mit der Auslieferung wegen der hohen Nachfrage aber nicht mehr nach, begründete Golob die Maßnahme. Auch die Slowakei hatte bereits zuvor einen „Erdöl-Notstand“ ausgerufen und die Treibstoffabgabe rationiert, wie oe24 berichtete.

Kickl: „Traurig“ — und sein Rezept

FPÖ-Chef Herbert Kickl nutzt die Situation für scharfe Oppositionskritik. Wie oe24 berichtet, teilte er bereits am Donnerstag auf Facebook ein Foto von langen Autoschlangen — viele mit österreichischen Kennzeichen — vor einer slowenischen Tankstelle. Seine Bewertung: „Ist das nicht traurig?“ Es sei mittlerweile für viele Menschen „notwendig geworden, ins Ausland zu fahren, damit das Leben günstiger wird.“

Die FPÖ bringt dazu heute, Montag, in einer Sondersitzung des Nationalrats ein eigenes Entlastungspaket ein: Wie oe24 berichtet, fordert Kickl das ersatzlose Streichen der CO2-Steuer sowie eine Halbierung der Mineralölsteuer. Das würde den Benzinpreis nach FPÖ-Berechnungen sofort um 44 Cent pro Liter senken. Die Gegenfinanzierung — laut FPÖ rund 3,4 Milliarden Euro — soll durch das Streichen der Ukraine-Hilfen und „ideologischer Klima- und Transformationsförderungen“ erfolgen.

Regierung setzt auf Preisbremse — FPÖ nennt es „Placebo“

Die Koalition hat ihrerseits eine moderatere Antwort parat: Eine Mineralölsteuer-Senkung soll den Spritpreis laut 5min.at ab April um rund zehn Cent pro Liter senken — allerdings nur budgetneutral, wie Finanzminister Markus Marterbauer (SPÖ) laut oe24 betonte. Kickl bezeichnet diesen Plan als reines „Placebo“ und „altbekannten Murks“. Am Mittwoch soll der Nationalrat über mögliche weitere Maßnahmen beraten — für einen Beschluss wäre eine Zwei-Drittel-Mehrheit nötig. Ob FPÖ und Regierung dabei einen gemeinsamen Nenner finden, bleibt offen.


Quellen:

  • oe24.at: „Ist das nicht traurig?“ – Kickl kritisiert Sprit-Preise (22.03.2026)
  • oe24.at: Tanktouristen aus Österreich: Slowenien setzt drastischen Schritt (22.03.2026)
  • weekend.at: Tankstellen-Slowenien: Rationierung auf 50 Liter pro Tag (22.03.2026)
  • 5min.at: Slowenien: Leere Tankstellen lösten Limit fürs Tanken aus (18.03.2026)
  • euronews.com: Krieg im Iran: Wo in Europa hat sich Benzin wie stark verteuert? (20.03.2026)
  • fob.at: Erste Sprit-Rationierungen – Fass ohne Boden (März 2026)
  • oe24.at: „Öl-Notstand!“ – Nachbarland rationiert jetzt Sprit-Verkäufe
  • zdfheute.de: Benzinpreise: Das machen andere Länder bei Benzin- & Dieselpreis (19.03.2026)

Credits: APA

Teilen:
0 0 Abgegebene Stimmen
Artikel Bewertung
Abonnieren
Benachrichtigung von
guest
0 Kommentare
Älteste
Neuestes Meistgewählt
0
Ich würde mich über Ihre Meinung freuen, bitte kommentieren Sie.x