“Systemling” gegen “Herkulesaufgabe”: Ludwig springt Marterbauer gegen Kickl bei

“Systemling” gegen “Herkulesaufgabe”: Ludwig springt Marterbauer gegen Kickl bei

Ein Satz im Interview, ein wütendes Facebook-Posting und eine Retourkutsche aus dem Wiener Rathaus: Der Streit zwischen Finanzminister Markus Marterbauer (SPÖ) und FPÖ-Chef Herbert Kickl zieht Kreise. Jetzt hat sich auch Wiens Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) eingeschaltet – mit einem Vorwurf, den Kickl nicht gerne hört.

Der Satz, der alles auslöste

Ausgangspunkt war Marterbauers großes Interview mit “Heute” vergangene Woche. Darin sagte der designierte Vizekanzler: “Ich glaube nicht, dass Kickl jemals Bundeskanzler wird.” Die FPÖ sei “von extremistischen Kräften unterwandert” und habe bei Sachthemen “für kein einziges Problem eine Lösung”. Und: “Mit Kickl will niemand zusammenarbeiten, weil er gar nicht zur Zusammenarbeit in der Lage ist.”

Kickl: “Schlag ins Gesicht der Wähler”

Kickl antwortete am Sonntag auf Facebook. “Der nächste Systemling gibt Einblick in seine wirre Gedankenwelt. Das ist ein Schlag ins Gesicht der Wähler! Und das von jemandem, dessen Partei ein Chaoshaufen ist …”, schrieb der FPÖ-Chef laut “Heute”. Er erinnerte an das historisch schlechteste Ergebnis der SPÖ bei der Nationalratswahl 2024 und daran, dass sich derzeit niemand finde, der den SPÖ-Vorsitz übernehmen wolle. Auch Marterbauers Legitimation stellte er infrage, weil dieser 2024 selbst nicht kandidiert habe: “Wir haben also bald einen nicht gewählten Bundeskanzler und dazu einen nicht gewählten Vizekanzler …”

Ludwig: “Vor der eigenen Tür kehren”

Darauf reagierte nun Ludwig gegenüber “Heute” – und zielt auf einen wunden Punkt. “Herbert Kickl hätte die Möglichkeit gehabt, die Bundesregierung zu führen, und hat sich dieser schwierigen Aufgabe nicht gestellt. Finanzminister Markus Marterbauer tut nun genau das, wovor Kickl zurückgewichen ist: Er bringt das Budget wieder in Ordnung.” Das sei “eine Herkulesaufgabe”, die Marterbauer “mit Umsicht und Verlässlichkeit” bewältige. “Wer sich der Verantwortung entzogen hat, sollte jene nicht kritisieren, die sie tragen, und stattdessen zuerst vor der eigenen Tür kehren.” Sein Fazit: “Zum Kritisieren von der Seitenlinie braucht es keinen Mut, zum Regieren schon.”

Was hinter den Vorwürfen steckt

Beide Seiten haben dabei einen wahren Kern, aber auch eine Zuspitzung. Ludwig spielt auf Anfang 2025 an: Nach dem Scheitern der ersten Koalitionsverhandlungen erhielt Kickl als Chef der stärksten Partei den Auftrag zur Regierungsbildung, die Gespräche mit der ÖVP scheiterten im Februar 2025, Kickl legte den Auftrag zurück. Ob er sich der Verantwortung “entzogen” hat oder an der ÖVP gescheitert ist, darüber gehen die Darstellungen der beiden Parteien bis heute auseinander. Kickls Hinweis auf “nicht gewählte” Regierungsmitglieder trifft wiederum einen politischen, aber keinen rechtlichen Punkt: In Österreich werden weder Kanzler noch Vizekanzler direkt gewählt, sie werden vom Bundespräsidenten ernannt und brauchen das Vertrauen der Mehrheit im Nationalrat. Ein Mandat oder eine Kandidatur ist dafür nicht nötig.

Ein Duell mit Vorlauf

Für Marterbauer, der im Jänner das Vizekanzleramt von Andreas Babler übernehmen soll, ist es der erste offene Schlagabtausch mit dem FPÖ-Chef. Die Ausgangslage ist für die SPÖ dabei schwierig: In den jüngsten Umfragen liegt die FPÖ bei rund 40 Prozent, die SPÖ zwischen 12 und 14 Prozent. Mit Marterbauer an der Spitze käme sie laut einer Blitzumfrage für “Heute” auf 17 Prozent.

Credits: Stadt Wien / Christian Jobst

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