Die Teuerung zieht wieder an, und wer tankt oder mit Öl heizt, spürt es besonders. Die Statistik Austria hat am Freitag die Inflation für September mit 3,6 Prozent bestätigt. Ohne Treibstoffe und Heizöl läge sie bei 2,4 Prozent. Neue Entlastungen hat die Regierung beim Gipfel am Samstag trotzdem nicht beschlossen.
Diesel als größter Einzeltreiber
Im August lag die Inflation noch bei 3,2 Prozent. Für den Anstieg sorgen vor allem die Treibstoffe: Diesel kostete im September um 42,3 Prozent mehr als ein Jahr zuvor, Superbenzin um 25,5 Prozent, wie der ORF unter Berufung auf die Statistik Austria berichtet. Laut dem Preismonitor des Instituts für Höhere Studien (IHS) trug Diesel allein 0,7 Prozentpunkte zur Inflationsrate bei, also knapp ein Fünftel. Keine andere Position im Warenkorb wirkte stärker.
Heizöl: plus 63 Prozent
Noch drastischer ist der Sprung beim Heizöl, das um 63,1 Prozent teurer wurde, allein gegenüber August laut exxpress um 10,6 Prozent. Auch Gas (plus 11,8 Prozent) und Fernwärme (plus 5,1 Prozent) legten zu. In der Gesamtstatistik schlägt Heizöl wegen seines geringen Gewichts im Warenkorb weniger durch, für die betroffenen Haushalte ist der Anstieg zum Start der Heizsaison aber massiv. Gebremst wurde die Teuerung vor allem vom Strom, der um 9,1 Prozent billiger wurde – eine Folge der seit Jänner gesenkten Elektrizitätsabgabe und des niedrigeren Erneuerbaren-Förderbeitrags.
Supermarkt: Lebensmittel günstig, Wocheneinkauf teuer
Ein gemischtes Bild zeigt sich beim Einkaufen. Lebensmittel und alkoholfreie Getränke verteuerten sich im Jahresvergleich nur um 0,4 Prozent, gedämpft auch durch die Mehrwertsteuersenkung auf ausgewählte Grundnahrungsmittel seit Juli. Der sogenannte Miniwarenkorb, der einen typischen Wocheneinkauf inklusive Treibstoff abbildet, stieg laut “Heute” dagegen um 6,0 Prozent. Und trotz des Preisschubs bei Sprit und Heizöl betont Statistik-Austria-Generaldirektorin Manuela Lenk: “Der bedeutendste Inflationstreiber bleibt aber nach wie vor der Dienstleistungsbereich.” Die Kerninflation ohne Energie und Lebensmittel liegt laut IHS bei 3,0 Prozent.
Spritpreisbremse: Zwei Monate, kein Heizöl
Die Regierung verweist auf die Spritpreisbremse, die seit 1. Oktober gilt. Die Mineralölsteuer sinkt um 6,7 Cent pro Liter, dazu kommt eine Margenbegrenzung von 3,5 Cent, insgesamt soll der Liter so um rund 12 Cent billiger werden. Laut SPÖ-Bundesgeschäftsführer Klaus Seltenheim spart man damit pro Tankfüllung im Schnitt sechs Euro. Die Entlastung gilt laut exxpress allerdings nur für Oktober und November, Heizöl ist gar nicht erfasst. Der ÖGB fordert deshalb, die Margenbegrenzung auf Heizöl auszuweiten. Beim stundenlangen Regierungsgipfel am Samstag einigten sich ÖVP, SPÖ und NEOS auf das Uni-Budget, ein Medienpaket und das Zukunftsdepot – neue Maßnahmen gegen die Teuerung waren nicht dabei. FPÖ-Chef Herbert Kickl sprach laut ORF von einem “Schuss-in-den-Ofen-Gipfel”.
Kaufkraftverlust bis 2028
Rasche Entspannung erwarten die Wirtschaftsforscher nicht. Laut WIFO dürften die preisbereinigten Nettolöhne heuer um 1,5 Prozent sinken, eine Inflationsrate von rund zwei Prozent erwartet das Institut erst in der zweiten Jahreshälfte 2028. Für 2027 rechnen WIFO und IHS mit 2,6 beziehungsweise 2,8 Prozent. IHS-Ökonom Sebastian Koch geht davon aus, dass die Spritpreisbremse die Inflation um etwa 0,2 Prozentpunkte dämpft, warnt aber, dass große Tankstellenketten die Margenbegrenzung leichter verkraften als kleine Anbieter. Offen bleibt, was ab Dezember passiert, wenn die Bremse ausläuft und der Winter beginnt.
Credits: Florian Schrötter, BKA
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