Vor dem Winter schauen viele Haushalte mit Sorge auf ihre nächste Energierechnung. Ein europaweiter Vergleich zeigt: Wien gehört beim Strom zu den teureren Hauptstädten, und auch beim Gas sind die Preise seit Beginn des Iran-Kriegs deutlich gestiegen. Die Daten dafür kommen übrigens zum Teil aus Österreich selbst.
Wien auf Platz sieben
Grundlage ist der Household Energy Price Index (HEPI), den die österreichische Regulierungsbehörde E-Control gemeinsam mit der ungarischen Energiebehörde MEKH und dem Beratungsunternehmen VaasaETT erstellt. Euronews Business hat die Daten für 33 europäische Hauptstädte ausgewertet. Anfang September kostete eine Kilowattstunde Strom inklusive Steuern in Wien 34,4 Cent. Der Durchschnitt der EU-Hauptstädte lag bei 27,2 Cent. Teurer war Strom nur in Brüssel mit 41,3 Cent, Berlin (39,6), Dublin (38,7), Bern (38,6), London (38,3) und Rom (36,6). Am günstigsten war er in Kiew mit 8,4 Cent, gefolgt von Budapest, Podgorica und Belgrad. Wichtig: Die Zahlen betreffen den Preis pro Kilowattstunde, nicht die gesamte Jahresrechnung, und sie bilden Fixpreisverträge nicht ab.
Gas: Plus 22,8 Prozent seit Februar
Deutlicher sind die Bewegungen beim Gas. Zwischen 2. Februar und 1. September stiegen die Gaspreise für Haushalte in den EU-Hauptstädten im Schnitt um zwölf Prozent, Strom verteuerte sich um 4,2 Prozent. In Wien legte der Gaspreis in diesem Zeitraum um 22,8 Prozent zu, ähnlich wie in Paris und Berlin. Noch stärker stiegen die Preise in Tallinn (59,2 Prozent), Brüssel (37,9 Prozent) und Athen (33,1 Prozent). Am teuersten ist Gas in Stockholm mit 34,8 Cent pro Kilowattstunde, der Schnitt der Hauptstädte liegt bei 11,9 Cent.
Kaufkraft dreht das Ranking
Billig heißt aber nicht automatisch leistbar. Rechnet man die Preise auf die Kaufkraft um, ändert sich das Bild deutlich. Beim Strom liegt dann Bukarest an der Spitze, Oslo am günstigsten Ende. Besonders Haushalte in Mittel- und Osteuropa zahlen gemessen am Einkommen viel. Laut Eurostat machen Strom, Gas und andere Brennstoffe im EU-Schnitt 4,6 Prozent der Haushaltsausgaben aus, bei einkommensschwachen Haushalten deutlich mehr.
Der Iran-Krieg als Preistreiber
Hinter der Entwicklung steht vor allem der Krieg im Nahen Osten. Die Blockade der Straße von Hormus, durch die normalerweise rund ein Fünftel des weltweit verschifften Flüssigerdgases transportiert wird, hat die Großhandelspreise in die Höhe getrieben. Der europäische Gas-Referenzpreis TTF erreichte laut Euronews diese Woche 87,20 Euro pro Megawattstunde, vor Kriegsbeginn waren es rund 32 Euro. Noch stärker traf es die Treibstoffe: Diesel verteuerte sich laut EU-Ölbulletin seit Ende Februar um 35 Prozent, Benzin um 23 Prozent. Bei Strom und Gas wirken Fixpreisverträge und staatliche Hilfen dämpfend – die Septemberdaten bilden die jüngsten Ausschläge am Großhandelsmarkt deshalb noch nicht vollständig ab.
Sorge vor einem kalten Winter
Zusätzlich beunruhigt die Versorgungslage. Laut dem Institute for Energy Economics and Financial Analysis (IEEFA) waren die europäischen Gasspeicher am 3. Oktober zu 72,4 Prozent gefüllt – der niedrigste Stand zu dieser Jahreszeit seit Beginn der Aufzeichnungen 2011. Bei einer Kälteperiode gegen Ende des Winters könnte Europa dadurch stärker unter Druck geraten. Wie hoch die nächste Rechnung ausfällt, hängt damit nicht nur von den Tarifen ab, sondern auch vom Wetter und von der Lage in Nahost.
Credits: Bild mit KI erstellt
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