Die Bundesregierung wirbt so sparsam wie selten zuvor. Insgesamt geben öffentliche Stellen aber kaum weniger aus – und ein Teil des Geldes fließt zunehmend an Google, Meta und Co. Größter einzelner Empfänger ist der ORF. Das zeigen die neuen Medientransparenzdaten der Medienbehörde KommAustria für das erste Halbjahr 2026.
Bund: 5,8 Millionen Euro
Die Bundesregierung gab im ersten Halbjahr 5,8 Millionen Euro für Werbung in Medien aus, wie die APA auf Basis der KommAustria-Daten berichtet. Weniger war es im vergangenen Jahrzehnt nur im ersten Halbjahr 2025 mit 3,2 Millionen. Am meisten warben die ÖVP-geführten Ministerien mit rund 2,9 Millionen Euro, allen voran das Verteidigungsministerium mit rund 2,1 Millionen. Die SPÖ-Ressorts kamen auf rund zwei Millionen, davon etwa 800.000 Euro aus dem Verkehrsministerium. Das NEOS-geführte Bildungsministerium folgt mit rund 630.000 Euro.
Öffentliche Hand insgesamt: fast 174 Millionen
Die Bundesregierung ist allerdings nur ein kleiner Teil. Alle meldepflichtigen Stellen zusammen – Bund, Länder, Gemeinden, Kammern und öffentliche Unternehmen – gaben 173,9 Millionen Euro aus, nach 176,8 Millionen im Vorjahreszeitraum. Größter Werber war die Linz AG mit sechs Millionen Euro. Die Stadt Wien, sonst traditionell sehr werbefreudig, halbierte ihre Ausgaben auf rund 5,6 Millionen. Das Land Oberösterreich legte dagegen um 400.000 auf rund 3,5 Millionen Euro zu, Niederösterreich blieb mit rund 1,3 Millionen stabil. Die Wirtschaftskammer samt Länderorganisationen kam auf rund 5,6 Millionen, die Arbeiterkammer auf rund 3,9 Millionen Euro.
ORF vor Google
Größter einzelner Empfänger ist der ORF. Er erhielt rund 10,6 Millionen Euro aus Werbung öffentlicher Stellen und gab selbst rund 3,8 Millionen Euro für Werbung aus. Wichtig zur Einordnung: Die 10,6 Millionen stammen von allen meldepflichtigen öffentlichen Stellen, nicht nur von der Bundesregierung, deren gesamtes Werbebudget im Halbjahr bei 5,8 Millionen lag. Knapp hinter dem ORF folgt Google mit rund 8,2 Millionen Euro, Tendenz steigend. Auch Meta mit Facebook und Instagram legte auf rund 6,8 Millionen zu, TikTok auf rund 850.000 Euro. Insgesamt flossen 17,4 Millionen Euro öffentliches Werbegeld an internationale Plattformen, rund eine Million mehr als im Vorjahr.
Boulevard verliert
Deutlich weniger erhielten die drei großen Boulevardmedien. “Kronen Zeitung”, oe24 und “Heute” kamen zusammen auf 11,8 Millionen Euro, rund 1,5 Millionen weniger als im ersten Halbjahr 2025 – unter anderem, weil die Stadt Wien sparte. Die “Krone” verlor mit rund 200.000 Euro am wenigsten und liegt bei rund 6,2 Millionen. Bei “Heute” (rund drei Millionen) betrug das Minus 680.000, bei oe24 (rund 2,6 Millionen) 740.000 Euro. Auch der Außenwerber Gewista verlor deutlich, um rund 1,6 auf 7,2 Millionen Euro, “Die Presse” büßte fast 20 Prozent ein und liegt bei rund 1,8 Millionen. Stabil blieben die Regionalmedien Austria mit rund 4,4 Millionen, die “Kleine Zeitung” legte um 350.000 auf rund 2,9 Millionen Euro zu.
Brisanz für die ORF-Debatte
Die Zahlen fallen in eine Phase, in der über die Finanzierung des ORF heftig gestritten wird. Die FPÖ sammelt derzeit Unterstützungserklärungen für ein Volksbegehren gegen die Haushaltsabgabe und fordert eine Finanzierung aus dem Bundesbudget. Dass der öffentlich-rechtliche Sender zusätzlich zur Abgabe auch der größte Empfänger öffentlicher Werbegelder ist, dürfte diese Debatte weiter befeuern.
Credits: Bild von KI erzeugt
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