Nach Kritik von Bundeskanzler Friedrich Merz an der US-Iran-Strategie dreht Trump die Eskalationsspirale weiter. Jetzt stehen 39.000 US-Soldaten in Deutschland zur Debatte.
Merz kritisiert – Trump dreht durch
Es begann mit einer Schulveranstaltung im nordrhein-westfälischen Marsberg. Bundeskanzler Friedrich Merz sagte dort, die USA seien beim Iran-Krieg „ganz offensichtlich ohne jede Strategie vorgegangen“ und hätten offenbar keine Exit-Strategie. Der Iran verhandle „sehr geschickt – oder eben sehr geschickt nicht.“ Und: „Da wird eine ganze Nation gedemütigt durch die iranische Staatsführung.“
Trump ließ die Kritik nicht unbeantwortet. Wie oe24 unter Berufung auf APA/dpa berichtete, schrieb er auf Truth Social: „Er hat keine Ahnung, wovon er spricht!“ Und: „Kein Wunder, dass es Deutschland so schlecht geht.“ Kurz darauf wurde bekannt, dass die USA eine mögliche Reduzierung ihrer Truppen in Deutschland offiziell prüfen.
39.000 Soldaten, Milliardenwirtschaft, strategische Schlüsselpositionen
Die Drohung hat reale Dimension. Wie oe24 berichtete, sind derzeit rund 39.000 US-Soldaten in Deutschland stationiert – Teil eines europäischen Kontingents von insgesamt 86.000 Soldaten. Allein der Luftwaffenstützpunkt Ramstein bei Kaiserslautern generiert nach Schätzungen jährlich Hunderte Millionen Euro an regionalen Wirtschaftsleistungen: durch Löhne, Mieten und Aufträge. Derzeit entsteht dort das größte US-Militärkrankenhaus außerhalb der Vereinigten Staaten.
Hinzu kommt das US-Europakommando EUCOM in Stuttgart. Beide Standorte gelten als unverzichtbar für US-Operationen im Nahen Osten, in Afrika und in der gesamten Nato-Ostflanke.
Kongress hat Bremse eingebaut
Nicht ganz so einfach, wie Trump es klingen lässt. Wie oe24 berichtete, beschloss der US-Kongress Ende 2025 einen Sicherheitsmechanismus: Fällt die Gesamtzahl der im EUCOM-Bereich stationierten Truppen länger als 45 Tage unter 76.000, müssen bestimmte Berichts- und Genehmigungspflichten eingehalten werden. Ein unkontrollierter Spontanabzug ist damit rechtlich erschwert.
Merz kontert – und erinnert an frühere Zusage
Merz trat dem Eindruck eines zerrütteten Verhältnisses zu Trump am Mittwoch entgegen. „Das persönliche Verhältnis zwischen dem amerikanischen Präsidenten und mir ist – jedenfalls aus meiner Sicht – unverändert gut“, sagte er laut oe24. Dabei verwies er auf ein Gespräch im März, in dem Trump ihm zugesichert habe, an der Truppenpräsenz in Deutschland festhalten zu wollen. Ob die Zusage auch die volle Truppenstärke umfasste, blieb damals offen.
Credits: APA
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