Stockers Sommertour startet mit Fragezeichen bei der Teilnehmerauswahl

Stockers Sommertour startet mit Fragezeichen bei der Teilnehmerauswahl

Mit Kaffee, Getränken und Knabbereien empfängt Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) ab Donnerstag Bürger zu seiner neuen Gesprächsreihe. Unter dem Titel „Österreich im Gespräch“ tourt er bis Ende August durch alle neun Bundesländer – doch wer tatsächlich mit ihm sprechen darf, entscheidet ein vorab durchlaufener Auswahlprozess.

Der Auftakt in Tulln

Den Anfang macht die Veranstaltungsreihe am Donnerstag in Tulln in Niederösterreich. Zwei Stunden lang können die anwesenden Bürger den Kanzler direkt mit ihren Fragen und Anliegen konfrontieren. Für die Auftaktveranstaltung meldet das Kanzleramt bereits „ausverkauft“ – pro Termin dürfen jeweils bis zu 200 Personen teilnehmen.

Wie die Teilnehmerauswahl funktioniert

Wer teilnehmen möchte, musste sich vorab online registrieren. Laut einer Aussendung des Bundeskanzleramts werden dabei mehrere persönliche Merkmale abgefragt – neben Alter, Geschlecht, Bildung und Bundesland ausdrücklich auch die „gesellschaftliche Verortung“ der Interessierten, worunter etwa eine Selbsteinschätzung als eher konservativ, progressiv oder in der Mitte stehend fällt. Ziel dieser Erhebung ist laut Kanzleramt ein möglichst repräsentativer Querschnitt der Bevölkerung, wissenschaftlich begleitet durch Meinungsforscher Peter Hajek. Nach der Anmeldung erhalten nur jene Personen eine Einladung, die im Auswahlverfahren berücksichtigt wurden.

Kritik an der Vorabauswahl

Genau an diesem Verfahren setzt Kritik an. Die FPÖ verweist in einer Aussendung auf den Kontrast zu Auftritten von Parteichef Herbert Kickl in den Bundesländern: Dort reiche die bloße Anwesenheit aus, um dem FPÖ-Chef direkt eine Frage zu stellen oder die eigene Meinung zu äußern – ganz ohne Anmeldeprozess und ohne Angaben zur eigenen politischen Haltung. Bei Stockers Format hingegen müsse man sich vorab registrieren und dabei auch persönliche Daten sowie die eigene politische Einordnung preisgeben, damit ein Gespräch überhaupt zustande komme. Kritiker sehen darin die Möglichkeit einer gezielten Vorabauswahl, mit der sich unliebsame oder besonders kritische Stimmen von vornherein herausfiltern ließen. Wer im Auswahlprozess nicht berücksichtigt wird, bleibt der Veranstaltung fern – selbst wenn er eine dringende Frage an den Bundeskanzler hätte.

Die Gegenposition des Kanzleramts

Das Bundeskanzleramt selbst weist eine gezielte politische Filterung zurück und betont, die Reihe richte sich ausdrücklich an „alle interessierten Bürger“. Die Abfrage der gesellschaftlichen Verortung diene nicht dem Ausschluss unliebsamer Teilnehmer, sondern im Gegenteil der Sicherstellung, dass unterschiedliche politische Haltungen in einem fairen Verhältnis vertreten sind – so soll laut Kanzleramt pro Bundesland eine „faire, transparente und möglichst repräsentative Teilnehmerliste“ entstehen.

Ein Moderationswechsel kurz vor dem Start

Ursprünglich hätte die frühere ORF-Wettermoderatorin Christa Kummer durch die gesamte Tour führen sollen. Wie das Bundeskanzleramt jedoch bereits Ende Juni mitteilte, musste Kummer wegen einer „unvorhergesehenen Operation“ kurzfristig absagen. An ihrer Stelle moderieren nun Vera Russwurm und Arabella Kiesbauer die Gesprächsrunden – Russwurm übernimmt fünf, Kiesbauer vier der insgesamt neun Termine in den Bundesländern.

Der weitere Fahrplan der Tour

Nach dem Auftakt in Tulln führt die Reihe den Kanzler am 23. Juli nach Innsbruck, gefolgt von einem Termin am 24. Juli in der Vorarlberger Gemeinde Schwarzenberg. Am 28. Juli macht die Gesprächsreihe in Wien Station, ehe es am 4. August nach Graz und am 6. August nach Salzburg weitergeht. Weitere Stationen sind Villach am 11. August sowie Eisenstadt am 21. August. Den Abschluss der Sommertour bildet eine Veranstaltung in Linz am 25. August. Nach der eigentlichen Fragerunde ist bei jedem Termin ein gemütlicher Ausklang mit Kaffee, Getränken und Knabbereien vorgesehen, bei dem Teilnehmer nochmals in den persönlichen Dialog mit dem Kanzler treten können.


Credits: BKA, Christopher Dunker

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