Stocker rechnet mit Trump ab: „Nicht einfacher, ruhiger, friedlicher“ — Österreich sucht Verteidigungspartner in Indien

Stocker rechnet mit Trump ab: „Nicht einfacher, ruhiger, friedlicher“ — Österreich sucht Verteidigungspartner in Indien

Österreichs Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) hat auf seiner Indien-Reise ungewohnt klare Worte in Richtung Washington gefunden. Trumps Angriff auf Papst Leo sei „völlig unangemessen“, die USA unter Trump hätten als verlässlicher Partner an Vertrauen verloren. Die Konsequenz: Wien diversifiziert seine Verteidigungspartnerschaften — und schaut nach Neu-Delhi.

Trump vs. Papst: Stocker weist Attacken scharf zurück

Der Auslöser für Stockers deutliche Worte ist der öffentliche Schlagabtausch zwischen US-Präsident Donald Trump und Papst Leo XIV. Der Pontifex hatte Trumps Iran-Krieg als „wirklich inakzeptabel“ bezeichnet und Friedensdiplomatie eingefordert. Trump konterte, er sei „kein großer Fan“ des Papstes und legte auf Truth Social mehrfach nach — darunter auch mit einem KI-generierten Bild von sich selbst zusammen mit Jesus Christus, wie evangelisch.de berichtet.

Wie die Salzburger Nachrichten berichten, reagierte Stocker in der Tiroler Tageszeitung (Samstagsausgabe) unmissverständlich: Trumps Schelte am Papst sei „völlig unangemessen“. „Ich kann das nur zurückweisen, in Inhalt und Ton.“ Mit dieser Haltung ist Stocker nicht allein: Wie Euronews berichtet, hatte auch die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni Trumps Angriffe auf Leo XIV. als „inakzeptabel“ bezeichnet — woraufhin Trump auch sie attackierte.

„Mit Trump ist die Welt nicht einfacher geworden“

Über das Papst-Thema hinaus zog Stocker eine grundlegende Bilanz der Trump-Ära. Gegenüber der Tageszeitung Der Standard sagte er laut OE24: „Wenn ich mir die Welt heute ansehe, ist sie mit Trump jedenfalls nicht einfacher, ruhiger, friedlicher und stabiler geworden.“ Für die USA als Sicherheitspartner formulierte Stocker ein deutliches Urteil — ebenfalls gegenüber der Tiroler Tageszeitung, wie Salzburger Nachrichten und vol.at berichten: „Verlässlichkeit, Berechenbarkeit und Regelbasiertheit haben im Zusammenhang mit der Administration von Donald Trump an Wert verloren.“

Die transatlantische Beziehung werde aber grundsätzlich wichtig bleiben, betonte der Kanzler zugleich. „Präsidenten kommen und gehen, Partnerschaften bleiben.“

Österreich-Indien: Verteidigungsabkommen als Signal der Unabhängigkeit

Parallel zu den Worten handelte Stocker in Neu-Delhi. Wie OE24 berichtet, wurden beim Treffen mit Indiens Premier Narendra Modi mehrere bilaterale Abkommen unterzeichnet — darunter eine Absichtserklärung im Verteidigungsbereich, die von gemeinsamen Trainings bis zu Waffenentwicklung und -produktion reicht. Zahlreiche indische Zeitungen widmeten den Verteidigungsvereinbarungen große Schlagzeilen.

Die geopolitische Logik dahinter ist klar: Indien will sich aus der Abhängigkeit von russischen Rüstungslieferungen befreien, Österreich aus jener von US-amerikanischen. „Dies gilt sowohl in der Beschaffung als auch in der Logistik und auch in der Frage der Datensouveränität. Wir haben teilweise schmerzlich gelernt, dass wir uns breiter aufstellen müssen“, sagte Stocker dem Standard. Das Ziel: Österreich soll auf der europäischen Sicherheitslandkarte kein „blinder Fleck“ sein — auch wenn das im Rahmen der Neutralität geschehe. „Mein Anspruch ist, auf der Sicherheitslandkarte von Europa kein blinder Fleck zu sein.“


Credits: APA

Teilen:
0 0 Abgegebene Stimmen
Artikel Bewertung
Abonnieren
Benachrichtigung von
guest

0 Kommentare
Älteste
Neuestes Meistgewählt
0
Ich würde mich über Ihre Meinung freuen, bitte kommentieren Sie.x