Die Staatsanwaltschaft Linz ermittelt wegen des Verdachts des Amtsmissbrauchs gegen eine frühere Mitarbeiterin der oberösterreichischen Landesverwaltung. Sie soll zumindest in einem Fall eine österreichische Staatsbürgerschaft zu Unrecht vergeben haben – und drei weitere Verfahren zeigen ebenfalls Auffälligkeiten.
Wie der Fall ans Licht kam
Auslöser der Ermittlungen war ein Zufallsfund im März 2026, wie ORF Oberösterreich berichtet. Mitarbeiter des Bundesamts für Fremdenwesen und Asyl (BFA) wollten bei einem Mann aus Tschetschenien einen Eintrag im Zentralen Fremdenregister ändern – und stellten dabei fest, dass ihm bereits die österreichische Staatsbürgerschaft verliehen worden war. Der Eintrag wäre damit eigentlich gegenstandslos geworden.
Das Land Oberösterreich reagierte und übermittelte daraufhin eine Sachverhaltsdarstellung an die Staatsanwaltschaft. Gleichzeitig wurde eine interne Revision eingeleitet – mit dem Ergebnis, dass der Einzelfall möglicherweise kein Einzelfall war.
Drei weitere auffällige Verfahren nachgemeldet
Nach der internen Revision meldete das Land Oberösterreich drei weitere Verfahren der Sachbearbeiterin nach, wie ORF Oberösterreich unter Berufung auf eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Linz bestätigt. In diesen drei Fällen – Anträge aus Mai, Juni und Dezember 2025 – war zwar noch keine Staatsbürgerschaft verliehen worden. Auffällig war laut Büro von Landeshauptmannstellvertreter Manfred Haimbuchner (FPÖ), der in Oberösterreich für Staatsbürgerschaften zuständig ist, dass die Verfahren ungewöhnlich rasch und weitgehend bearbeitet worden waren. Auch diese Fälle wurden angezeigt.
Die Polizei ermittelt nun im Auftrag der Staatsanwaltschaft. Es gilt die Unschuldsvermutung.
EINORDNUNG DER REDAKTION
Der Fall zeigt, wie ein Zufallsbefund bei einer Routineprüfung einer anderen Behörde ein strukturelles Problem aufdecken kann – und wie wichtig behördenübergreifende Datenabgleiche sind. Ob die auffällig rasche Bearbeitung der drei weiteren Anträge tatsächlich auf Amtsmissbrauch hindeutet oder andere Erklärungen hat, werden die Ermittlungen klären müssen. Dass das Land OÖ die zusätzlichen Fälle proaktiv nachgemeldet hat, ist ein positives Zeichen für den internen Kontrollmechanismus – und lässt die Frage offen, wie viele ähnliche Fälle möglicherweise unentdeckt blieben, weil kein BFA-Mitarbeiter einen zufälligen Datenabgleich vornahm.
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