53.000 untergetauchte Migranten in Großbritannien: Geleaktes Dokument sorgt für Wirbel

53.000 untergetauchte Migranten in Großbritannien: Geleaktes Dokument sorgt für Wirbel

Ein durchgesickertes Home-Office-Dokument zeigt, dass mehr als 53.000 illegale Migranten in Großbritannien aus dem Behördenradar verschwunden sind – darunter Hunderte ausländische Straftäter. Das Papier sorgt für politischen Streit.

Was das geleakte Dokument zeigt

Wie LBC, GB News und die Daily Mail unter Berufung auf ein geleaktes Home-Office-Dokument berichten, taucht darin der Begriff „absconder pool“ auf – also der Pool jener Personen, die aus dem britischen Einwanderungssystem untergetaucht sind. Die Zahl, die das Papier für Oktober 2024 nennt: 53.298 Personen, deren Aufenthaltsort den Behörden unbekannt ist. Zu den Untergetauchten zählen laut dem Dokument abgelehnte Asylwerber, die einer Abschiebung entzogen, sowie Migranten, die nach ihrer Ankunft über den Ärmelkanal auf Bewährung freigelassen wurden und anschließend jeglichen Kontakt abbrachen. Zusätzlich sind 736 ausländische Straftäter als verschwunden vermerkt – Personen, die nach ihrer Entlassung aus Haft oder Abschiebehaft untergetaucht sind und zumeist abgeschoben werden sollten.

Woher die Daten stammen – und was das bedeutet

Das Papier wurde dem unabhängigen Abgeordneten Rupert Lowe von einem Whistleblower zugespielt und gelangte darüber an die Öffentlichkeit, wie LBC und GB News berichten. Das Home Office bestätigte die genaue Zahl von 53.298 nicht offiziell, wies aber auf seinen gestiegenen Abschiebungsrekord hin. Ein Regierungssprecher erklärte gegenüber der Daily Mail, unter Labour seien fast 50.000 Personen ohne Aufenthaltsrecht abgeschoben worden – ein Anstieg von 23 Prozent.

Lowe, früher Mitglied der Reform UK-Partei, forderte laut GB News von Innenministerin Shabana Mahmood, „dringend“ darzulegen, welche Schritte unternommen werden, um die Untergetauchten aufzuspüren und abzuschieben.

Wie „Abtauchen“ definiert wird

Das Home Office definiert einen „absconder“ laut LBC als Person, die entweder aus Abschiebehaft geflohen ist oder die Bedingungen ihrer Bewährung gebrochen hat – und deren Aufenthaltsort nach allen verpflichtenden Kontaktversuchen per Telefon und E-Mail weiterhin unbekannt ist.

Dass das Abtauchen nicht automatisch zur Abschiebung führt, erklärt der frühere Direktor der britischen Grenzschutzbehörde Border Force, Tony Smith, gegenüber LBC so: „Man wird eigentlich nur erwischt, wenn man zufällig bei einer Razzia dabei ist. Wenn die Person wieder auftaucht, könnte sie einfach einen neuen Antrag auf Verbleib in Großbritannien stellen.“

Labour gibt den Tories die Schuld

Politisch eskaliert der Streit prompt. Labour, seit knapp zwei Jahren an der Regierung, macht die Vorgänger verantwortlich: Das Management jener Personen ohne Aufenthaltsrecht sei unter den Konservativen „chaotisch“ gewesen, die Datenbestände unzuverlässig, und Abschiebungen hätten mit den steigenden Ankunftszahlen nicht Schritt gehalten – verschlimmert durch den gescheiterten Rwanda-Plan der Tories.

EINORDNUNG DER REDAKTION
Wichtig zur Einordnung: Das Dokument mit dem Stand Oktober 2024 ist nicht neu – es war bereits im November 2025 durch britische Medien bekannt geworden. Der aktuelle exxpress-Bericht stützt sich auf dieselben Quellen. Die Zahl 53.298 stammt aus einem geleakten internen Papier, das das Home Office selbst nicht offiziell bestätigt hat. Gleichzeitig passen die Zahlen laut LBC und GB News zu früheren Erhebungen: Bereits 2016 hatte ein Bericht des damaligen Chefinspektors für Grenzen und Migration fast 60.000 Untergetauchte dokumentiert – das Problem ist also nicht neu, sondern ein seit Jahren bekanntes strukturelles Defizit des britischen Einwanderungssystems, für das beide großen Parteien Verantwortung tragen.

Teilen:
0 0 Abgegebene Stimmen
Artikel Bewertung
Abonnieren
Benachrichtigung von
guest
0 Kommentare
Älteste
Neuestes Meistgewählt
0
Ich würde mich über Ihre Meinung freuen, bitte kommentieren Sie.x