Groß angekündigt und mit Spannung erwartet: Vizekanzler und Medienminister Andreas Babler (SPÖ) startete am österreichischen Nationalfeiertag pünktlich um 20:15 Uhr den hauseigenen TV-Sender seiner Partei, „SPÖ eins“. Doch der Auftakt verlief alles andere als reibungslos. Neben scharfer Kritik an den Banken sorgten vor allem technische Pannen und eine überschaubare Zuschauerzahl für Gesprächsstoff.
Große Attacke, kleine Zuschauerschaft
Die erste Sendung, die direkt aus dem Parlament übertragen wurde, sparte nicht mit politischen Ansagen. Im Zentrum der Kritik standen die Banken. Die SPÖ fordert, dass diese auch nach 2026 eine saftige Abgabe zahlen sollen, nachdem sie nach der Finanzkrise mit Milliarden gerettet wurden. Neben Parteichef Andreas Babler selbst, der für die Mietpreisbremse warb, traten auch SPÖ-Klubchef Philip Kucher und Parteimanager Klaus Seltenheim auf.
Doch die politische Botschaft erreichte nur ein kleines Publikum. Wie oe24 berichtet, verfolgten in der Spitze gerade einmal 74 Zuseher die Live-Premiere auf YouTube. Auch eine Stunde nach der Ausstrahlung hielt sich das Interesse mit etwas über 400 Aufrufen in Grenzen.
Technische Pannen sorgten für Schockmomente
Für die wenigen Zuseher wurde der TV-Abend zur Geduldsprobe. Ein großes Problem war die Tonabmischung. Viel zu laute Signaltöne, die an eine Nachrichtensendung erinnern sollten, standen im krassen Gegensatz zu den leisen Stimmen der Moderatorin Anna Ernst und ihrer Interviewpartner. Zuschauer mussten ständig die Lautstärke nachregeln, um den Inhalt überhaupt verstehen zu können.
Große Pläne trotz kurzem Start
Die erste Show war nach nur acht Minuten bereits wieder vorbei. Dennoch sind die Ziele ambitioniert. SPÖ-Kommunikationschefin Susanne Moser-Guntschnig erklärte gegenüber oe24, dass man künftig rund um die Uhr senden wolle. „Derzeit ist das Team noch klein, aber in Zukunft ist ein durchgehender Sende-Betrieb das Ziel.“ Die nächste Sendung ist bereits für Donnerstag geplant, dann soll ein wöchentlicher Rückblick folgen. Ob bis dahin die technischen Kinderkrankheiten behoben sind und mehr Zuseher einschalten, wird sich zeigen.
Kritik am Vorgehen des Medienministers
Gerade in einer Zeit, in der viele österreichische Medienhäuser mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten kämpfen und um ihre Unabhängigkeit ringen, wirft der Start eines parteieigenen TV-Senders durch den Medienminister selbst zahlreiche Fragen auf. Experten warnen davor, dass eine solche Vermischung von Regierungsverantwortung und Parteiinteressen nicht nur dem Vertrauen in die Medienlandschaft schadet, sondern auch die mediale Vielfalt in Österreich weiter schwächen könnte. Die Rechtfertigung, mit einem SPÖ-Sender eigene Akzente setzen zu wollen, wirkt vor diesem Hintergrund besonders fragwürdig.
Credits: APA
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