Wenige Stunden vor dem Treffen der SPÖ-Landesparteichefs laufen die Telefone heiß. Laut einem Bericht von oe24 suchen sowohl das Lager von Parteichef Andreas Babler als auch seine Gegner nach einem Weg aus der Führungskrise. Im Gespräch ist demnach eine Lösung ohne Babler – aber auch ohne Gerhard Zeiler.
Doskozil rechnet mit keiner Einigung
Die Erwartungen an Sonntag sind gedämpft. Burgenlands SPÖ-Chef Hans Peter Doskozil erklärte am Freitag laut oe24, er rechne bei dem Treffen mit keiner Lösung. Kärntens Landeshauptmann Daniel Fellner, der zunächst als Unterstützer Zeilers galt, arbeitet laut dem Bericht dagegen intensiv an einer gemeinsamen Linie.
Gegenwind für Zeiler
Zeiler selbst hat sich am Freitag mit einem offenen Brief an die Mitglieder gewandt und vor einer „Kleinstpartei“ gewarnt. Seine Chancen beurteilt oe24 allerdings skeptisch: Vor allem die SPÖ-Gewerkschafter rund um ÖGB-Chef Wolfgang Katzian wollten ihn verhindern. Auch Wiens Bürgermeister Michael Ludwig und Oberösterreichs SPÖ-Chef Martin Winkler seien gegen Zeiler als Parteichef. Öffentlich bestätigt hat das keiner der Genannten, die Angaben stammen von nicht namentlich genannten Insidern.
Der „Plan B“
Stattdessen werde laut oe24 eine Variante mit Finanzminister Markus Marterbauer als Vizekanzler diskutiert, damit „die Partei nicht in die falschen Hände falle“, wie es SPÖ-Insider formulierten. Uneinig sei man beim Zeitplan: Ein Teil wolle eine Übergabe erst im März 2027, auch weil Marterbauer im Oktober laut oe24 noch eine medizinische Behandlung bevorsteht. Andere Präsidiumsmitglieder halten das für „unmöglich“ und wollen eine Trennung der Ämter: Marterbauer möglichst rasch als Vizekanzler, die Dritte Nationalratspräsidentin Doris Bures als Parteichefin auf Zeit. Hinter dieser Lösung könnten sich laut oe24 alle neun Landeschefs versammeln. Marterbauer selbst hatte zuletzt erklärt, er könne „auch als Finanzminister“ seinen Beitrag leisten, und eigene Ambitionen nicht erkennen lassen.
Babler hält an Direktwahl fest
Ob Babler mitspielt, ist offen. Ursprünglich habe es geheißen, er könnte einer solchen Lösung zustimmen, am Freitag sei laut oe24 aber wieder „Widerstand“ gewachsen. Babler könnte bei zwei oder mehr Kandidaten eine Direktwahl durch die Mitglieder durchsetzen – ein Szenario, das vor allem die Wiener Partei und die Gewerkschaft fürchten. Andere mögliche Kandidaten haben laut dem Bericht bereits abgewunken: Infrastrukturminister Peter Hanke und Frauenministerin Eva-Maria Holzleitner wollen weder Vizekanzler noch Parteichef werden.
Der Fahrplan fürs Wochenende
Am Samstag versammelt Ludwig in Wien seine Bezirksparteichefs. Am Sonntag treffen sich die Landesparteichefs laut oe24 zunächst unter sich, danach mit Babler. Eine überwiegende Mehrheit wolle ihm dabei sagen, dass die Partei „eine neue Führung“ brauche.
Credits: Parlamentsdirektion/Katie-Aileen Dempsey
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