Ausgerechnet in der Partei, die Gleichstellung auf die Fahne geschrieben hat, sinkt der Frauenanteil. Frauenministerin Eva-Maria Holzleitner schlägt anlässlich des Frauentages Alarm – und das nicht nur verbal.
Die rote Bilanz: Kein Chef mit Röcken
Das Bild ist eindeutig: Aktuell sind der Bundes- und sämtliche Landesparteichefs der SPÖ männlich. Kein einziger Spitzenposten in der Partei ist weiblich besetzt. Für Frauenministerin Eva-Maria Holzleitner ist das keine abstrakte Statistik, sondern ein handfestes Problem. Wie sie im APA-Gespräch anlässlich des Frauentages sagte, müssten Frauen „an allen Schalthebeln der Macht und mit am Verhandlungstisch sitzen“ – auch in der eigenen Partei.
Die Frauenorganisation der SPÖ will nun das Parteistatut auf Lücken bei der Unterstützung von Frauen durchleuchten, wie Holzleitner ankündigte. Gleichstellungspolitik sei „nicht nur die Aufgabe der Frauenorganisation, sondern der Gesamtpartei.“
Mandatstausch mit Folgen: 160.000 Euro weg
Besonders pikant: Ein aktueller Personalwechsel verstärkt den Trend noch. Wie der Standard berichtet, wechselt Elke Hanel-Torsch aus dem Nationalrat in die Wiener Stadtregierung – sie übernimmt das Ressort Wohnen und Frauen. Ihr Mandat übernimmt Christoph Matznetter, der damit zum fünften Mal in den Nationalrat einzieht.
Das Ergebnis: Die rote Fraktion im Nationalrat besteht nun laut news-7.de zu 61 Prozent aus Männern – der Frauenanteil im SPÖ-Klub fällt damit unter die 40-Prozent-Marke. Und das hat nicht nur symbolische Konsequenzen. Fällt der Frauenanteil einer Parlamentsfraktion unter diesen Schwellenwert, entfällt eine staatliche Förderung. Im konkreten Fall: 160.000 Euro weniger für den SPÖ-Klub.
Holzleitner zieht die Reißleine
„Da kann ich als Frauenvorsitzende natürlich nicht zufrieden sein, wenn gesamthaft in unserer Partei der Frauenanteil abnimmt“, sagte die Ministerin gegenüber der APA. Die SPÖ könne es sich schlicht nicht leisten, auf Frauen zu verzichten – „von der Bundespartei bis hin zur Ortsorganisation“, so Holzleitner. Durchmischte Teams würden der Sitzungskultur guttun. Den Seitenhieb auf die internen Führungsdebatten ließ sie sich dabei nicht nehmen: Auch Pamela Rendi-Wagner sei als weibliche Parteivorsitzende parteiinternen Angriffen ausgesetzt gewesen.
Frauenbudget soll wachsen – trotz Sparpaket
Auf der politischen Sachebene hat Holzleitner klare Forderungen: Das Frauenbudget soll in dieser Legislaturperiode steigen. 2026 stehen laut oe24 34,1 Millionen Euro bereit. Von allgemeinen Förderkürzungen der Regierung soll das Frauenbudget ausgenommen bleiben – schließlich handle es sich oft um „ganz unmittelbar“ notwendige Beratungsleistungen. Eine langfristige Finanzierung von Frauenberatungsstellen über mehrjährige Verträge steht auf der Agenda.
Zur Lohntransparenz betonte die Ministerin, dass Österreich eine entsprechende EU-Richtlinie bis zum Sommer umsetzen müsse. Als Vorbild nannte sie Island, wo die Lohnschere zwischen Männern und Frauen durch Transparenz- und Anpassungsmaßnahmen binnen weniger Jahre weitgehend geschlossen wurde.
Sexualstrafrecht und Karenz: Baustellen bleiben offen
Beim Sexualstrafrecht drängt Holzleitner weiter auf das „Ja heißt Ja“-Prinzip – bisher ohne Erfolg, die ÖVP stimmt nicht zu. Bei der Karenz fordert die Ministerin langfristig eine Halbe-Halbe-Aufteilung zwischen beiden Elternteilen, auch wenn die Väterbeteiligung trotz bestehender Regelungen nach wie vor sinkt. Bevormunden wolle sie niemanden: „Ich werde keine Frau mit erhobenem Zeigefinger belehren“, wenn sie sich fürs Zuhausebleiben entscheide. Die Politik müsse aber die Rahmenbedingungen setzen.
Das Kernproblem bleibt: Eine Partei, die Gleichstellung nach außen fordert, hat sie intern noch nicht verwirklicht.
Quellen: oe24, APA, Der Standard, Puls 24, Tiroler Tageszeitung, news-7.de, wien.ORF.at (01.03.2026)
Credits: APA
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