SPÖ-Kucher: „Die FPÖ glaubt, das Thermometer steckt mit dem System unter einer Decke“

SPÖ-Kucher: „Die FPÖ glaubt, das Thermometer steckt mit dem System unter einer Decke“

Während Österreich mit einer historischen Hitzewelle kämpft, entzündet sich zwischen SPÖ und FPÖ ein scharfer Schlagabtausch über den Umgang mit der Klimakrise. SPÖ-Klubobmann Philip Kucher wirft den Freiheitlichen vor, selbst extreme Hitzerekorde noch zu leugnen.

Ein historischer Hitzerekord als Hintergrund

Der Streit fällt in eine Woche mit außergewöhnlichen Wetterextremen. Am Mittwoch wurde in Bad Deutsch-Altenburg in Niederösterreich laut Daten der GeoSphere Austria mit 41,2 Grad der zweite Allzeit-Hitzerekord binnen zweier Tage gemessen – nachdem bereits am Dienstag in Wien-Stammersdorf 41,0 Grad registriert worden waren. Niemals zuvor in der heimischen Messgeschichte gab es laut GeoSphere Austria drei Tage in Folge mit Temperaturen von 40 Grad oder mehr. Auch mehrere weitere Messstationen in Niederösterreich und Wien verzeichneten am Mittwoch Werte über 40 Grad.

Kuchers Vorwurf: Blindheit auf der eigenen Homepage

Genau in dieser Situation ging SPÖ-Klubobmann Philip Kucher am Donnerstag zum verbalen Angriff auf die FPÖ über, wie Heute.at berichtet. Grund dafür war ein Blick auf die Homepage der Freiheitlichen: Dort finde man weder eine Hitzewarnung noch eine Erwähnung der Wasserknappheit, keinen Bericht zu Landwirten, deren Kühe kein Futter mehr hätten, und auch keinen Dank an Feuerwehrleute, die gegen Waldbrände kämpften, kritisierte Kucher. Stattdessen stoße man dort auf „das übliche blaue Verschwörungs-Bla-Bla zu Corona, WHO, EU-Eliten und Co.“ Die FPÖ behaupte zudem, die „Hitze-Panik“ diene nur zur Ablenkung vom „Impf-Desaster“ – eine Verschwörung von „Systemparteien“, „Mainstream-Medien“ und „Brüssel“.

„Als Nächstes bestreiten sie noch den August“

Besonders pointiert formulierte Kucher seine Kritik mit Blick auf die Thermometerwerte selbst: „Die FPÖ glaubt, das Thermometer steckt mit dem System unter einer Decke.“ Früher hätten die Freiheitlichen den Klimawandel bestritten, nun würden sie die Hitze bestreiten. „Als Nächstes bestreiten sie noch den August“, so der SPÖ-Politiker laut Heute.at. Sein Fazit: Der FPÖ sei inzwischen sogar „das Thermometer zu links“.

Keine Einzelmeinung, sondern Parteilinie

Kucher betonte, dass es sich seiner Einschätzung nach nicht um eine Einzelmeinung innerhalb der FPÖ handle. Als Beispiele nannte er die Stellvertreterin von Parteichef Herbert Kickl, Susanne Fürst, die erklärt habe, man könne „diese heißesten Tage seit der Aufzeichnung“ vergessen – solche Tage habe es „letztes und vorletztes Jahr auch gegeben“. Auch die freiheitliche Sozialsprecherin Dagmar Belakowitsch habe gemeint, im Sommer sei es schon immer heiß gewesen.

Ein Seitenhieb auf eine alte parlamentarische Anfrage

Auch Kickl selbst nahm Kucher direkt ins Visier und verwies auf eine parlamentarische Anfrage des FPÖ-Chefs aus dem Jahr 2013. Damals wollte Kickl vom damaligen Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) wissen, wo denn die Erderwärmung bleibe, und bezeichnete den menschlichen Einfluss auf das Klima als „mehr als umstritten“. Zudem kritisierte er damals Medien und Politiker, die über die „angeblichen Erderwärmung“ sprächen. Kuchers süffisante Antwort darauf: Diese Frage lasse sich inzwischen knapp mit „41 Grad“ beantworten.

Ein Streit mit klarer Symbolik

Der Schlagabtausch zeigt, wie stark sich die politische Debatte in Österreich inmitten der aktuellen Hitzewelle zuspitzt. Während die SPÖ der FPÖ vorwirft, die Realität extremer Wetterereignisse zu ignorieren, dürfte der Streit auch in den kommenden Tagen weitergehen – zumal laut GeoSphere Austria mit einer Fortsetzung der außergewöhnlichen Hitzeperiode zu rechnen war.

Credits: Parlamentsdirektion/​Thomas Top

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