SPÖ-Kanal „SPÖ eins“ hinkt YouTube-Konkurrenz von FPÖ TV massiv hinterher

SPÖ-Kanal „SPÖ eins“ hinkt YouTube-Konkurrenz von FPÖ TV massiv hinterher

Ausgerechnet beim eigenen Parteikanal hat die SPÖ ein Reichweitenproblem: Ein einzelnes Video von „FPÖ TV“ erzielt mehr Aufrufe als der gesamte YouTube-Kanal der Sozialdemokraten zusammen, wie eine Auswertung von oe24 zeigt. Gleichzeitig fällt auf, dass „SPÖ eins“ zuletzt verstärkt auf reißerische Überschriften setzt – während Parteichef Andreas Babler genau das öffentlich kritisiert.

Bablers Anspruch: Aufklärung „jenseits von Fake News“

„Kein BlaBla mit Babler“ – unter diesem Titel läuft ein Format auf dem parteieigenen Kanal „SPÖ eins“, mit dem der SPÖ-Chef nach eigenen Worten „jenseits dieser ganzen reißerischen Geschichten, dieser ganzen Fake News, die halt Klicks bringen“, über Schlagzeilen aufklären will, wie Babler selbst in dem Interviewformat erklärt. Auch innerhalb des Formats beklagt er regelmäßig „reißerische Überschriften“ in der Medienlandschaft.

Die Realität auf dem eigenen Kanal sieht anders aus

Ein Blick auf die zuletzt auf „SPÖ eins“ veröffentlichten Videos zeigt allerdings, wie oe24 dokumentiert, ein anderes Bild. Überschriften wie „ER überrascht FPÖ-Mann mit DIESEM Geschenk…“, „SCHÜLER plante ANSCHLAG“ oder – bei einer Straßenumfrage – „Niemand war auf DIESE FRAGEN vorbereitet“ dürften selbst nach eigenem Maßstab als „reißerisch“ gelten. Alle drei Beispiele stammen von „SPÖ eins“ selbst. Der Kanal schlägt damit erkennbar einen zunehmend härteren Clickbait-Kurs ein – vermutlich, um die bislang stagnierenden Aufruf- und Abonnentenzahlen anzukurbeln.

Ein einzelnes FPÖ-Video schlägt den gesamten SPÖ-Kanal

Wie erfolglos dieser Kurswechsel bislang war, zeigt ein direkter Vergleich, den oe24 anstellt: Seit dem Start vor knapp einem Jahr kommt „SPÖ eins“ insgesamt auf rund 550.000 Videoaufrufe – weniger, als allein das meistgesehene Einzelvideo von „FPÖ TV“ verzeichnet. Die Freiheitlichen bespielen ihren YouTube-Kanal bereits seit über einem Jahrzehnt, kommen dabei laut derselben Auswertung auf 186 Millionen Aufrufe in dieser Zeitspanne. Zum Vergleich rechnet oe24 vor: Die SPÖ müsste ihre aktuellen jährlichen Aufrufzahlen von rund 550.000 jedes Jahr um etwa 43 Prozent steigern, um binnen 14 Jahren auf denselben Wert wie die FPÖ zu kommen.

Abonnenten stagnieren, nur Shorts zeigen Aufwind

Auch bei den Abonnentenzahlen zeigt sich, wie aus Daten der Analyseplattform vidiq.com hervorgeht, beim SPÖ-Kanal kaum Wachstum, die meisten Videos bleiben unter der 1.000-Aufrufe-Marke. Einzig der Umstieg auf kürzere Video-Formate („Shorts“) anstelle längerer Beiträge scheint laut denselben Daten zuletzt für etwas frischen Wind in den Klickzahlen zu sorgen – ein Lichtblick in einer ansonsten wenig erfolgreichen Bilanz.

Fragen ohne kritische Schärfe

Bemerkenswert ist auch die inhaltliche Ausrichtung des „Kein BlaBla mit Babler“-Interviewformats selbst, wie oe24 anhand konkreter Beispiele aufzeigt: Zu den dort gestellten Fragen zählen etwa „Was treibt dich politisch an?“, „Gibt’s einen Kaffee in der Früh?“ (Bablers Antwort: mindestens zwei) oder „Was tust du persönlich, wenn du was liest über dich, wo du denkst, das stimmt überhaupt nicht?“ – Fragen, die von den selbst formulierten journalistischen Ansprüchen des Formats deutlich abweichen.

Finanziert aus der Parteienförderung

Nicht unerheblich für die öffentliche Debatte, wie oe24 abschließend anmerkt: Der gesamte Kanal wird über die Parteienförderung finanziert – also letztlich aus Steuergeld.

Credits: Parlamentsdirektion/​Thomas Topf

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