Spitals-Zoff eskaliert: Wien und Niederösterreich im Patienten-Clinch

Spitals-Zoff eskaliert: Wien und Niederösterreich im Patienten-Clinch

Ein heftiger Streit ist zwischen Wien und Niederösterreich entbrannt, und es geht um Hunderte Millionen Euro. Im Zentrum des Konflikts: die sogenannten Gastpatienten. Während Wiens Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) über explodierende Kosten klagt, kontert Niederösterreichs Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) und weist die Zahlen zurück. Jetzt schalten sich auch die Krankenkasse und andere Politiker in den Zores ein.

Wien schlägt Alarm: 610 Millionen Euro für fremde Patienten

Die Bombe ließ Wiens Bürgermeister Ludwig platzen: Sage und schreibe 610 Millionen Euro soll die Behandlung von Patienten aus anderen Bundesländern die Bundeshauptstadt allein im letzten Jahr gekostet haben. Wie oe24.at berichtet, ist das ein dramatischer Anstieg. Im Jahr 2020 lagen die Kosten noch bei 362 Millionen Euro. Ludwig rechnete vor, dass hier bereits Gelder aus dem Finanzausgleich und die Kosten für Wiener, die sich anderswo behandeln lassen, abgezogen seien. Seine Forderung ist klar: eine gemeinsame Spitalsplanung für die gesamte Ostregion, um die Lasten fair zu verteilen.

Mikl-Leitner schießt zurück: „Zahlen nicht nachvollziehbar“

Die Antwort aus St. Pölten ließ nicht lange auf sich warten. Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner zeigte sich am Rande einer Pressekonferenz zwar gesprächsbereit, machte aber deutlich, was sie von den Wiener Zahlen hält: nämlich nichts. „Die von Wiener Seite genannten Zahlen können wir nicht nachvollziehen“, so die Landeschefin. Sie rechnete ihrerseits vor: „500 Millionen Euro gehen Jahr für Jahr über den Finanzausgleich nach Wien, um gewisse Leistungen auch abdecken zu können.“ Im Gesundheitsbereich Grenzen hochzuziehen, halte sie für den falschen Weg.

Krankenkassen-Chef fordert gemeinsame Planung

Unterstützung bekommt Wien von unerwarteter Seite. Andreas Huss, Obmann der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK), sprang dem Wiener Bürgermeister im Ö1-„Morgenjournal“ zur Seite. Er könne nachvollziehen, „dass sich Wien irgendwann einmal wehren muss“. Die Diskussion dürfe aber nicht „am Rücken“ der Patienten ausgetragen werden. Huss fordert, was auch Ludwig will: eine gemeinsame Planung und Finanzierung der Spitäler in der Ostregion. Er sieht hier auch den Bund in der Pflicht, endlich eine österreichweite Spitalsplanung anzugehen.

Credits: APA

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