Es ist einer der wohl brisantesten Gerichtsprozesse der letzten Jahre, der sich derzeit im Wiener Landesgericht abspielt. Egisto Ott, der ehemalige Chefinspektor des mittlerweile aufgelösten BVT, steht wegen schwerwiegender Spionagevorwürfe vor dem Richter. Die Anklage wiegt schwer: Er soll sensible Daten an Russland verkauft und dem flüchtigen Wirecard-Manager Jan Marsalek zugearbeitet haben. Doch Otts Verteidigungslinie klingt wie aus einem schlechten Agentenfilm – inklusive zerstörter Beweise und wüster Beschimpfungen gegen seine ehemaligen Kollegen.
„Swingerclub“ und „weiße Elefanten“
Vor Gericht zeigte sich der Ex-Geheimdienstler wortreich und angriffslustig. Ott holte zum Rundumschlag gegen seinen ehemaligen Arbeitgeber aus. Das Innenministerium und das BVT seien damals „zu einem Swingerclub geworden“, wetterte er im Zeugenstand. Er habe lediglich Missstände aufzeigen wollen.
Besonders skurril wurde es bei der Frage nach seiner Versetzung zur Sicherheitsakademie. Dort habe er als „weißer Elefant“ gesessen und „den ganzen Tag Daumen gedreht“, schilderte Ott seine damalige Situation. Ein Arbeitsverbot habe es aber nicht gegeben, weshalb er aus „dienstlichem Eifer“ weiter Informationen gesammelt habe.
Fäustl und Salzsäure: Das Ende der Diensthandys
Ein zentraler Punkt der Anklage betrifft verschwundene Diensthandys von hohen Kabinettsmitarbeitern, die laut Staatsanwaltschaft in Moskau gelandet sein sollen. Otts Erklärung dazu ist filmreif: Er will die Geräte zwar in seinem Briefkasten „gefunden“ haben, sie aber keineswegs weitergegeben haben.
Stattdessen habe er kurzen Prozess gemacht. Wie der ORF berichtet, gab Ott zu Protokoll, er habe die Handys in Kärnten „physisch vernichtet“. Die Methode: Ein Fäustl zum Zertrümmern und Salzsäure aus einem italienischen Supermarkt, um die Speicherchips aufzulösen. „Ich bin kein Techniker, ich bin kein Forensiker“, so seine Rechtfertigung, warum er nicht auf die Daten zugegriffen habe.
Der mysteriöse „Privatkredit“
Auch den Vorwurf der Bestechlichkeit wies der Angeklagte vehement zurück. Es geht um Zahlungen, die er von Martin Weiss erhalten haben soll – jenem Ex-BVT-Abteilungsleiter, der als Verbindungsmann zu Jan Marsalek gilt. Laut oe24 bestritt Ott jegliche Bezahlung für Datenabfragen.
„Er hat mich immer unterstützt“, erklärte Ott vor Gericht. Die geflossenen 6.000 Euro seien lediglich ein „Privatkredit“ gewesen. Dass Weiss als Berater für Wirecard tätig war, tat Ott als „Blödsinn“ ab. Die Tagesschau ergänzt in ihrer Berichterstattung, dass Ott auch den Vorwurf bestreitet, für einen SINA-Laptop 20.000 Euro kassiert zu haben.
James Bond oder Hochstapler?
Um seine Unschuld zu beweisen, tischte Ott dem Gericht eine Geschichte über eine geheime Mission auf. Er habe keineswegs für den russischen Inlandsgeheimdienst FSB spioniert, sondern im Rahmen einer „Operation Doktor“ gehandelt. Wie Profil aus dem Gerichtssaal berichtet, behauptet Otts Verteidigung, ein westlicher Partnerdienst sei an das BVT herangetreten, um einen abtrünnigen russischen Agenten anzuwerben.
„Luxemburg und Andorra wird es nicht gewesen sein. Und der Vatikan auch nicht“, scherzte Ott über die Identität des angeblichen Partnerdienstes. Er habe lediglich „internationale Amtshilfe“ geleistet. Dass andere BVT-Beamte nichts von dieser Operation wissen wollen, erklärte er mit der strengen Geheimhaltung. Für die Staatsanwaltschaft klingen diese Ausführungen allerdings weniger nach James Bond, sondern eher nach Schutzbehauptungen. Laut Reuters wirft ihm die Anklage weiterhin vor, systematisch Polizeidatenbanken für russische Interessen missbraucht zu haben.
Für Egisto Ott gilt die Unschuldsvermutung.
Quellen: oe24, ORF, Profil, Tagesschau, Reuters
Credits: APA
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