Harm Schmietendorf bewirtschaftet seit Jahren einen spezialisierten Spargelhof in Norddeutschland. Doch in dieser Saison blickt der 54-jährige Landwirt mit wachsender Sorge auf seine Felder. Grund dafür ist der akute Mangel an verlässlichen Erntehelfern – eine Entwicklung, die nicht nur seine wirtschaftliche Existenz bedroht, sondern auch ein strukturelles Problem in der deutschen Landwirtschaft offenbart.
„Früher lief alles reibungslos“, sagt Schmietendorf im Gespräch mit der Bild. Seit Jahren setzt er auf Arbeitskräfte aus Polen und Rumänien – doch selbst diese seien zunehmend schwer zu halten. Der Grund: Die gesetzlich garantierten Mindestlöhne sorgen mittlerweile dafür, dass viele Saisonkräfte bereits nach wenigen Wochen genügend Geld verdient haben und vorzeitig in ihre Heimat zurückkehren.
Ernte bleibt liegen – trotz fairer Bezahlung
Auf Schmietendorfs Hof werden polnische Erntehelfer mit 14 Euro pro Stunde entlohnt. Bei 48 Wochenstunden an sechs Tagen in der Woche ergibt das ein Monatsgehalt von rund 2.900 Euro – ein solides Einkommen. Dennoch reicht es oft aus, um nach zwei bis drei Wochen wieder den Heimweg anzutreten. Die Folge: Der Spargel bleibt auf den Feldern liegen, weil schlicht das Personal fehlt, um die Ernte rechtzeitig einzubringen.
„Ich melde keine Stellen mehr beim Arbeitsamt“
Verärgert äußert sich Schmietendorf über seine Erfahrungen mit deutschen Arbeitslosen, die ihm über das Arbeitsamt vermittelt wurden. „Die meisten erscheinen gar nicht erst – und wenn doch, melden sie sich nach einem Tag krank“, berichtet er. Problematisch: Selbst bei kurzer Arbeitszeit seien Arbeitgeber dann verpflichtet, bis zu sechs Wochen Lohn fortzuzahlen. Für Schmietendorf ist das ein Verlustgeschäft.
„Ich habe es aufgegeben, Stellen beim Amt zu melden“, erklärt er offen. Seine Forderung an die deutsche Gesellschaft: „Die Leute müssen endlich wieder den Hintern hochkriegen.“
Körperlich fordernd, aber nicht unzumutbar
Die harte körperliche Arbeit auf dem Feld schreckt viele ab. Doch Schmietendorf relativiert: Auch die erfahrenen polnischen Helfer hätten zu Beginn der Saison Rückenschmerzen und Muskelkater. Der Körper gewöhne sich jedoch nach wenigen Tagen an die Belastung. „Wer durchhält, schafft das auch.“
Die Schmietendorfs sind überzeugt: Ohne osteuropäische Arbeitskräfte ist die deutsche Landwirtschaft kaum überlebensfähig. „Wenn wir die nicht hätten, würde hier niemand Spargel essen“, betont seine Ehefrau. Was für sie ein saisonales Phänomen ist, betrachten Experten längst als strukturelles Problem – in einem Arbeitsmarkt, der körperliche Arbeit zunehmend meidet und bei dem billige Lebensmittelpreise auf immer weniger verfügbare Erntehelfer treffen.
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