Während die Regierung der Bevölkerung ein Sparpaket nach dem anderen zumutet, greift Außenministerin Beate Meinl-Reisinger auch heuer wieder tief in die Reisekasse des Ministeriums: Am Samstag steigt erneut ihr exklusiver Empfang bei den Salzburger Festspielen. Schon vergangenes Jahr hatte das für Unmut gesorgt – diesmal ist der Ärger vorprogrammiert.
Ein Termin mit Tradition – und Preisschild
Wie Heute.at berichtet, lädt die NEOS-Außenministerin Samstagnachmittag zum exklusiven Künstler-Empfang ins Große Festspielhaus Salzburg – am Vorabend der offiziellen Festspiel-Eröffnung, bei der traditionell Bundespräsident Alexander Van der Bellen die Festrede hält. Ein Sprecher der Ministerin bestätigte den Termin auf Anfrage: Der Empfang finde in Kooperation mit dem Direktorium der Salzburger Festspiele statt. Begründet wird die Veranstaltung damit, dass sie „ein internationales diplomatisches Publikum und Wirtschaftstreibende aus aller Welt mit Kulturschaffenden aus dem In- und Ausland zusammen“ bringe. Die Räumlichkeiten selbst stellten die Festspiele kostenlos zur Verfügung, betont das Ministerium.
Der finanzielle Rahmen bleibt trotzdem beachtlich: Im Vorjahr hatte der Abend laut Heute.at rund 15.000 Euro an Steuergeld gekostet. Wie genau sich diese Summe zusammensetzt, geht aus einer FPÖ-Anfragebeantwortung von November 2025 hervor, wonach für den damals als „Vernetzungstreffen“ bezeichneten Empfang mit Meinl-Reisinger und Staatssekretär Sepp Schellhorn als Gastgebern rund 15.500 Euro öffentlicher Mittel aufgewendet wurden, wie die FPÖ auf ihrer Website dokumentiert.
FPÖ kündigt neue parlamentarische Anfrage an
Wie hoch die Rechnung heuer ausfällt, ist noch offen – Antworten darauf soll erneut eine parlamentarische Anfrage liefern. FPÖ-Kultursprecher Wendelin Mölzer hat sie bereits angekündigt und wird in seiner Presseaussendung deutlich: Die Salzburger Festspiele seien „ein weltweites Aushängeschild unserer Republik“ und ein „Symbol unserer kulturellen Identität“, das nun aber „von der Verliererkoalition für billige PR-Auftritte zweckentfremdet“ werde, so Mölzer laut der Aussendung, die auch bei OTS abrufbar ist. Er fordert „eine lückenlose Aufklärung und den strikten Schutz der Kunst vor parteipolitischer Vereinnahmung“ und bezeichnet den Empfang als „Selbstbedienungsladen für abgehobene Politiker“.
Noch deutlicher wird er gegenüber Heute.at: Es sei „eine absolute Schande, wie hier eine unabhängige Kulturinstitution als Kulisse für die elitäre Selbstdarstellung der NEOS-Außenministerin missbraucht wird“. Die Kunst dürfe „nicht zum Spielball für die Imagepflege von Regierungsmitgliedern werden“, so Mölzer weiter. Das Steuergeld gehöre den Österreicherinnen und Österreichern und habe „in der elitären Blase der Verlierer-Ampel nichts verloren“.
Kein Einzelfall – ein Ritual mit Vorgeschichte
Der Empfang ist längst zu einem festen Bestandteil der Festspiel-Eröffnung geworden. Bereits 2025 hatte Meinl-Reisinger direkt aus Washington kommend gerade noch rechtzeitig zum Termin nach Salzburg reisen können, wie salzburg24.at damals berichtete. Auch damals waren neben der Ministerin und Schellhorn zahlreiche prominente Gäste vor Ort, von Festspielpräsidentin Kristina Hammer bis zu ORF-Generaldirektor Roland Weißmann. Dass die Kosten für den Steuerzahler bereits im Vorjahr für politischen Wirbel sorgten, ist also keine neue Entwicklung – heuer trifft die Wiederholung aber auf eine Regierung, die der Bevölkerung gleichzeitig ein hartes Sparbudget verordnet, was der Kritik zusätzliches Gewicht verleiht.
Zeitliche Nähe zu prominenten Staatsgästen
Der Empfang fällt in ein ohnehin protokollarisch dichtes Wochenende: Zur offiziellen Eröffnung am Sonntag empfängt Bundeskanzler Christian Stocker seinen griechischen Amtskollegen Kyriakos Mitsotakis, gemeinsam wollen die beiden der Premiere von „Carmen“ beiwohnen, wie Heute.at berichtet. Der Vorabend-Empfang von Meinl-Reisinger reiht sich damit in ein dichtes Programm internationaler Gäste ein – was die Argumentation des Ministeriums stützt, zugleich aber auch die politische Angriffsfläche für die Kritik an den Kosten vergrößert.
Offene Fragen bis zur Anfragebeantwortung
Ob und in welcher Höhe sich die Ausgaben heuer von jenen des Vorjahres unterscheiden, lässt sich derzeit nicht sagen – das Außenministerium hat dazu bislang keine Zahlen veröffentlicht. Erst die von Mölzer angekündigte parlamentarische Anfrage dürfte in den kommenden Wochen Klarheit bringen, wie schon im Fall des Vorjahres-Empfangs.
Credits: BKA, Andy Wenzel
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