SpaceX kappt russische Starlink-Verbindung – Chaos an der Front

SpaceX kappt russische Starlink-Verbindung – Chaos an der Front

Anfang Februar hat Elon Musks Raumfahrtkonzern SpaceX alle nicht registrierten Starlink-Terminals in der Ukraine deaktiviert. Die Folgen für die russische Armee sind gravierend – und reichen weit über technische Ausfälle hinaus.

„Uns bleiben nur noch Tauben“

Abgefangene Funksprüche sagen mehr als jeder Militärbericht. Wie Politico unter Berufung auf Mitschnitte einer ukrainischen Aufklärungseinheit berichtet, soll ein russischer Soldat an der Front gesagt haben: „Alles, was uns jetzt noch bleibt, sind Funkgeräte, Kabel und Tauben.“ Ein Satz, der den Zustand der russischen Kommunikationsinfrastruktur auf den Punkt bringt.

Die Aufnahmen wurden dem Axel-Springer-Global-Reporters-Network zugänglich gemacht, dem Politico angehört. Sie zeichnen ein Bild von Orientierungslosigkeit: Bilder werden nicht mehr übertragen, Koordinationsabläufe brechen zusammen, Sturmoperationen kommen in mehreren Frontabschnitten zum Erliegen.

Whitelist statt Wildwuchs

Das Vorgehen von SpaceX war methodisch. Wie das ukrainische Verteidigungsministerium und CNN bestätigen, führte Minister Mykhailo Fedorov eine sogenannte Whitelist ein: Nur noch Terminals, die beim Verteidigungsministerium offiziell registriert sind, bleiben online. Alle anderen werden deaktiviert. Die Liste wird täglich aktualisiert.

Zusätzlich gilt eine Geschwindigkeitsbeschränkung: Bewegt sich ein Terminal schneller als 90 km/h, schaltet das System ab – eine direkte Maßnahme gegen den Einsatz auf Angriffsdrohnen. Musk selbst schrieb Anfang Februar auf X: „Es sieht so aus, als hätten die Schritte, die wir unternommen haben, um die unbefugte Nutzung von Starlink durch Russland zu stoppen, funktioniert.“

Wie Russland überhaupt an Starlink kam

SpaceX verkauft seit Beginn der russischen Invasion 2022 keine Terminals an Russland. Trotzdem tauchten die weißen Satellitenantennen zunehmend in russisch kontrollierten Gebieten auf – geschmuggelt über Dubai, zentralasiatische Zwischenhändler und den Schwarzmarkt, mit gefälschten Dokumenten aktiviert. Das russische Militär nutzte die Geräte für Drohnensteuerung, Aufklärung und Frontkoordination in Echtzeit.

Wie ZDF heute berichtet, hatte der russische Militärkorrespondent Alexander Sladkow geklagt, die Kommunikation innerhalb der Einheiten sei auf das Niveau von 2022 zurückgeworfen worden – jene chaotische Frühphase, in der Truppen vielfach „blind“ geführt wurden.

Ukrainische Hacker nutzten die Gunst der Stunde

Parallel zur technischen Abschaltung lief eine Geheimdienstoperation. Wie heise online berichtet, richtete die ukrainische Freiwilligengruppe „256. Cyber-Sturmdivision“ auf Telegram gefälschte Kanäle ein – angeblich von Insidern, die gegen Bezahlung gesperrte Terminals wieder freischalten könnten. Russische Soldaten, händeringend nach Verbindung suchend, tappten in die Falle und übermittelten exakte Gerätestandorte. Diese wurden umgehend an ukrainische Artillerie und Drohneneinheiten weitergeleitet.

Laut Telepolis identifizierte die Freiwilligengruppe InformNapalm auf ähnlichem Weg 2.425 russische Starlink-Terminals – von der Krim bis nach Gomel in Belarus.

Geländegewinne und die Grenzen des Erfolgs

Laut Berechnungen auf Basis von Daten des amerikanischen Thinktanks Institute for the Study of War (ISW) gewann die Ukraine in den Tagen nach der Abschaltung rund 77 Quadratmeilen im Südosten zurück. Dass Russland inzwischen seinen Beschuss wieder steigern konnte – vor allem gegen bereits bekannte, eingemessene Ziele – zeigt: Das Militär weicht auf klassische Funkverbindungen aus, die deutlich leichter abzuhören sind.

Einen Ersatz für Starlink hat Russland bislang nicht. Al Jazeera zitiert den ukrainischen Offizier Romanenko mit den Worten: „Fedorov hat es mit Musk geregelt – irgendwie, denn wir konnten das früher nicht.“ Russland testet derweil Stratosphärenballons als Notlösung. Wie Telepolis berichtet, flog das System „Barrage-1″ Mitte Februar erstmals und soll in Höhen zwischen 20 und 40 Kilometern 5G-ähnliche Signale übertragen. Ob das reicht, um Starlink zu ersetzen, bezweifeln Experten.


Quellen: Politico, CNN, Weltwoche, heise online, Telepolis, ZDF heute, Euronews, Al Jazeera, Business Insider, ISW
Credits: APA

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