Seit mehr als drei Jahren liegt die FPÖ nun schon nahezu ununterbrochen an der Spitze der österreichischen Umfragen. Eine aktuelle Erhebung des Linzer Market-Instituts im Auftrag von DER STANDARD bestätigt diesen Trend erneut – und zeigt gleichzeitig, wie tief ÖVP und SPÖ mittlerweile gesunken sind.
Die FPÖ nähert sich der 40-Prozent-Marke
Laut der aktuellen Sonntagsfrage würde die FPÖ bei einer sofortigen Nationalratswahl auf 38 Prozent kommen. Beide Regierungsparteien liegen deutlich darunter: Sowohl ÖVP als auch SPÖ bewegen sich unter der 20-Prozent-Marke. Die Rohdaten der Hochrechnung zeigen dabei ein klares soziodemografisches Muster: Es sind vor allem Männer, Bewohner ländlicher Regionen sowie Menschen über 50 Jahre, die der FPÖ ihre Stimme geben würden.
Auch bei der Kanzlerfrage schwache Werte für die Koalitionsspitzen
Auch in der fiktiven Kanzlerfrage – bei der ermittelt wird, wen die Befragten bei einer direkten Wahl zum Bundeskanzler bevorzugen würden – schneiden Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) und Vizekanzler Andreas Babler (SPÖ) laut DER STANDARD nicht gut ab.
Ein Trend, der sich seit Monaten verfestigt
Die aktuellen Zahlen des Market-Instituts reihen sich nahtlos in eine Serie ähnlicher Umfrageergebnisse verschiedener Institute der vergangenen Wochen ein. Sowohl eine INSA-Erhebung im Auftrag von Exxpress als auch eine Hochrechnung der Lazarsfeld Gesellschaft für oe24 hatten die FPÖ zuletzt wiederholt bei exakt 38 Prozent gesehen – ein Wert, den die Partei seit Jahresbeginn nach übereinstimmenden Berichten konstant über der 35-Prozent-Marke hält. Bei der Kanzlerfrage lag Herbert Kickl in diesen Erhebungen zuletzt zwischen 28 und 47 Prozent, je nach Institut und Erhebungszeitraum stets klar vor Stocker, Babler sowie NEOS-Chefin Beate Meinl-Reisinger.
Was ein solches Ergebnis für die Koalition bedeuten würde
Träfe die aktuelle Sonntagsfrage tatsächlich auf einen realen Wahlausgang zu, wäre die parlamentarische Mehrheit der Dreierkoalition aus ÖVP, SPÖ und NEOS massiv gefährdet. Bereits frühere Hochrechnungen mit ähnlichen Werten hatten gezeigt, dass die drei Regierungsparteien zusammen nur noch auf einen Bruchteil der für eine Mehrheit im 183 Sitze zählenden Nationalrat notwendigen 92 Mandate kommen würden.
Warum das Thema gerade jetzt an Brisanz gewinnt
Die neuen Zahlen fallen in eine politisch angespannte Phase: Erst kürzlich hatte mit dem burgenländischen SPÖ-Präsidiumsmitglied Roland Fürst erstmals ein ranghoher Parteifunktionär öffentlich die Möglichkeit vorgezogener Neuwahlen im Herbst ins Spiel gebracht. Angesichts der anhaltend schwachen Werte für die Koalition und der bevorstehenden Landtagswahlen in mehreren Bundesländern dürfte der Druck auf die Regierungsspitzen in den kommenden Monaten kaum nachlassen.
Credits: Christopher Dunker, BKA
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