Social-Media-Verbot: Jugendanwälte schlagen Alarm – „Schnellschuss wäre fatal!“

Social-Media-Verbot: Jugendanwälte schlagen Alarm – „Schnellschuss wäre fatal!“

Die Diskussion um ein Social-Media-Verbot für Jugendliche in Österreich sorgt für hitzige Debatten. Während die Regierung an einer Altersgrenze bastelt, warnen Kinder- und Jugendanwälte vor einem „Schnellschuss“, der mehr Schaden als Nutzen bringen könnte.

Jugendanwälte: „Kinderrechte in Gefahr!“

Die Kinder- und Jugendanwälte der neun Bundesländer sind sich einig: Ein generelles Verbot sozialer Medien für Jugendliche wäre ein massiver Eingriff in die Kinderrechte. „Die UN-Kinderrechtskonvention garantiert nicht nur Schutz, sondern auch das Recht auf Bildung, Information und digitale Teilhabe“, betont Johanna Fellinger, Kinder- und Jugendanwältin aus Salzburg. Besonders kritisch sieht sie, dass die Betroffenen – die Jugendlichen selbst – kaum in die Diskussion eingebunden werden. „Das Vertrauen der Jugend in die Politik schwindet, wenn über ihre Köpfe hinweg entschieden wird“, so Fellinger.

TikTok, YouTube und Co.: Was fällt unter das Verbot?

Die Unsicherheit ist groß: Welche Plattformen wären betroffen? Für viele Jugendliche ist YouTube eine wichtige Quelle für Bildungsinhalte, während TikTok und Spieleplattformen oft zur Kommunikation genutzt werden. „Ein 13-Jähriger, der TikTok nicht mehr nutzen darf, verliert nicht nur Unterhaltung, sondern auch soziale Kontakte“, erklärt Sebastian Öhner, Kinder- und Jugendanwalt aus Wien.

Plattformen in der Pflicht

Statt die Jugendlichen zu bestrafen, sollten die Plattformbetreiber stärker in die Verantwortung genommen werden, fordern die Anwälte. „Effektive Altersbeschränkungen und Schutzmechanismen sind längst überfällig“, so Öhner. Doch die vorgeschlagenen Maßnahmen wie KI-gestützte Gesichtserkennung stoßen auf massive datenschutzrechtliche Bedenken.

Medienkompetenz statt Verbote

Denise Schiffrer-Barac, Kinder- und Jugendanwältin aus der Steiermark, plädiert für mehr Medienbildung. „Kinder müssen lernen, reflektiert mit digitalen Medien umzugehen. Verbote allein lösen keine Probleme.“ Gleichzeitig fordert sie mehr analoge Alternativen, um Jugendlichen Räume für Begegnung und Austausch zu bieten – ohne Konsumzwang.

Regierung unter Druck

Die Regierung steht unter Zugzwang. Während die ÖVP eine Altersgrenze ab 14 Jahren favorisiert, drängen die NEOS auf eine Einbettung in eine umfassende Lehrplanreform. Doch die Details sind noch offen, und die Zeit drängt: Bis Sommer soll ein Gesetzesentwurf vorliegen.

Quellen: oe24.at, krone.at, netzpolitik.org, kontrast.at, das-parlament.de
Credits: APA

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