Social-Media-Verbot für Kinder: Warum die Fachleute bremsen

Social-Media-Verbot für Kinder: Warum die Fachleute bremsen

Die österreichische Bundesregierung hat sich ein Social-Media-Verbot für Minderjährige auf die Fahnen geschrieben — doch ausgerechnet jene, die sich täglich für Kinderrechte einsetzen, sind dagegen. Kinder- und Jugendanwältin Johanna Fellinger legte am Sonntagabend in der ZiB2 ihre Position dar. Und die ist differenzierter, als der politische Reflex der Regierung es vermuten lässt.

Kein Prinzip, aber kein neues Verbot

Fellinger stellt klar: Sie sei nicht prinzipiell gegen Kinderschutz im Netz — im Gegenteil. Wie oe24 berichtet, betont sie aber, dass es bereits bestehende Regeln gebe, die man zunächst stärken sollte, bevor man zu neuen Verboten greife. Ihre Kernbotschaft: Ein zusätzliches Gesetz nützt wenig, wenn das vorhandene nicht funktioniert.

Wie vienna.at und oe24 berichten, stellte auch ihr Wiener Kollege Sebastian Öhner die entscheidende Frage: „Was ist der Mehrwert einer neuen Gesetzgebung, wenn die bestehenden nicht funktionierten?“ Das österreichische Datenschutzgesetz setzt die eigenständige Nutzung von Social Media bereits ab dem 14. Lebensjahr an — ein faktisches Verbot für Jüngere existiert demnach schon.

Australien als abschreckendes Beispiel

Dass Verbote in der Praxis oft Löcher haben, zeigt laut Fellinger das Beispiel Australien — dort müssen die Plattformen selbst die Altersverifikation kontrollieren. Wie oe24 berichtet, gibt es dort trotzdem viele Möglichkeiten, die Sperre zu umgehen. Wirksamer Schutz, so Fellinger, gehe „vor allem Hand in Hand mit effektiver Medienbildung“ — eine Investition, die die Politik bisher schuldig bleibt.

Der Alkohol-Vergleich, der hinkt

Regierungsvertreter rechtfertigen die Altersgrenze gerne mit dem Vergleich zu Alkohol und Nikotin — beide für Jugendliche verboten. Wie oe24 berichtet, widerspricht Fellinger diesem Vergleich ausdrücklich: Während Alkohol und Nikotin ausschließlich negative Auswirkungen hätten, könnten digitale Medien bei guter Begleitung auch positive Aspekte haben — etwa Bildungsinhalte auf YouTube oder Kommunikationsplattformen unter Gleichaltrigen.

Jugendliche nutzen Social Media ohnehin weniger — die KI kommt

Ein weiterer Befund aus der ZiB2 überrascht: Wie oe24 berichtet, ist die Social-Media-Nutzung unter Jugendlichen aktuell erstmals leicht rückläufig. Dafür steigt der Konsum von KI-Diensten stark an. Fellinger zieht daraus eine naheliegende Schlussfolgerung: In einem Jahr werde man vermutlich dieselbe Debatte über Künstliche Intelligenz führen. Ein Verbot löst das eigentliche Problem also nicht — es verschiebt es nur.

Wie die Salzburger Nachrichten und vienna.at berichten, hatten alle neun Kinder- und Jugendanwälte Österreichs bereits am 18. März in einem gemeinsamen Positionspapier gewarnt: „Ein rein österreichischer Schnellschuss wäre fatal.“ Die Regierung strebt dennoch einen raschen Beschluss noch im März an.


Quellen:

  • oe24.at: Social-Media-Verbot: Darum ist Kinderanwältin dagegen (22.03.2026)
  • oe24.at: Social-Media-Verbot: Jugendanwälte gegen „Schnellschuss“ (18.03.2026)
  • salzburg.orf.at: Kinderanwälte gegen Social-Media-Verbot (18.03.2026)
  • vienna.at: Kinder- und Jugendanwälte warnen vor „Schnellschuss“ bei Social-Media-Verbot (18.03.2026)
  • vienna.at: Meinungen zu Altersgrenze bei Social Media gespalten (22.03.2026)
  • sn.at: „Wir schließen sie aus“: Kinder- und Jugendanwälte stemmen sich gegen Social-Media-Verbot (18.03.2026)
  • nachrichten.at: Social-Media-Verbot: Jugendanwälte warnen vor „Schnellschuss“ (18.03.2026)
  • kija-sbg.at: Positionspapier der Kinder- und Jugendanwaltschaften Österreichs (18.03.2026)

Credits: APA

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