Skurrile Nebenwirkung der Mwst-Senkung: Ab Samstag gibt’s weniger Pfand zurück

Skurrile Nebenwirkung der Mwst-Senkung: Ab Samstag gibt’s weniger Pfand zurück

25 Cent klingen nach wenig – doch an der Supermarktkasse zeigt sich gerade exemplarisch, wie eine gut gemeinte steuerliche Entlastung zum Ärgernis für Konsumenten werden kann. Wer noch alte Milchkisten oder Joghurtgläser zu Hause hat, sollte sich beeilen.

Warum plötzlich Geld beim Pfand fehlt

Hintergrund ist die Senkung der Mehrwertsteuer auf ausgewählte Grundnahrungsmittel, die seit 1. Juli 2026 gilt: Für Produkte wie Mehl, Brot, Milch, Butter oder Eier sank der Steuersatz von zehn auf 4,9 Prozent, wie aus einer Übersicht der Initiative „Österreich isst informiert“ hervorgeht. Was viele nicht wissen: Das Pfandentgelt für die dazugehörige Verpackung unterliegt laut Finanzministerium demselben Steuersatz wie das Hauptprodukt. Sinkt die Steuer auf Milch, sinkt damit rechnerisch auch der Bruttobetrag des Pfands – bei einer Milchkiste etwa von 5,50 auf 5,25 Euro, wie exxpress.at vorrechnet.

Nur alte Gebinde betroffen

Für neu gekaufte Kisten entsteht dabei kein Nachteil, da Kunden nach dem Stichtag ohnehin nur noch 5,25 Euro bezahlen und später auch genau diesen Betrag zurückbekommen. Zum Problem wird es nur bei älteren Gebinden, für die vor dem 1. Juli noch der höhere Pfandbetrag entrichtet wurde – wer diese jetzt zurückgibt, bekommt am Automaten trotzdem nur den neuen, niedrigeren Betrag ausgezahlt. Nicht betroffen ist laut exxpress.at das gesetzlich fixierte Einwegpfand von 25 Cent auf Dosen und Plastikflaschen, da dieser Satz steuerunabhängig festgelegt ist.

Ministerium erlaubte Vereinfachung – keine Anordnung

Dass Handel und Automaten bei der Rückgabe technisch gar nicht mehr feststellen können, ob ein Gebinde vor oder nach der Steuersenkung gekauft wurde, war dem Finanzministerium demnach schon vor dem Inkrafttreten bekannt. Wie das Ministerium in seiner offiziellen Fachinformation zur Umsatzsteuersenkung festhält, kann aus Vereinfachungsgründen „einheitlich der niedrigere Steuersatz von 4,9 Prozent verrechnet werden“, wenn sich der ursprüngliche Steuersatz eines Gebindes nicht mehr nachvollziehen lässt. Eine Verpflichtung zur Auszahlung des niedrigeren Betrags war das nicht – die Regelung erlaubte lediglich diese Vorgehensweise, verbot aber nicht, den Kunden die Differenz zu erstatten.

Hofer und Billa zahlen nur noch bis Freitag

In der Praxis fingen zumindest zwei große Ketten den Unterschied bislang manuell ab. Hofer informierte seine Kunden bereits Anfang Juli mit Aushängen über vier betroffene Mehrweggebinde, bei denen das Pfand jeweils um ein bis 25 Cent sank, wie exxpress.at berichtet. Wer die Differenz wollte, musste den Pfandbon aufheben und sich eigens an der Kasse melden. Auch Billa erstattet die Differenz laut einem Bericht der „Krone“ vom 30. Juli noch bis Monatsende manuell an der Kasse. Ab Samstag, dem 1. August, läuft diese Übergangslösung bei beiden Ketten aus.

Ein Nebeneffekt für Bablers Prestigeprojekt

Politisch ist die Senkung eng mit Vizekanzler Andreas Babler (SPÖ) verknüpft, der laut einem Bericht von news.at intern auf die Maßnahme gedrängt hatte und sie öffentlich als seine Entlastung bewirbt. Die Pfand-Problematik dürfte für die Regierung also ein unerwünschter Nebenschauplatz einer Reform sein, die ohnehin schon für Diskussionen sorgte – Wifo-Chef Gabriel Felbermayr etwa hatte die Umsetzung wegen ihrer Komplexität scharf kritisiert.

Was Kunden jetzt tun sollten

Wer noch ältere Milchflaschen, Joghurtgläser oder Milchkisten zu Hause hat, sollte sie also idealerweise noch bis Freitag zurückbringen und die Differenz aktiv an der Kasse einfordern – der Automat selbst weist ohnehin nur den neuen, niedrigeren Betrag aus und zahlt die Differenz nicht automatisch aus.

Credits: Parlamentsdirektion/​Thomas Topf

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