Ceuta im Ausnahmezustand: Über 1.500 Migranten in wenigen Tagen angekommen

Ceuta im Ausnahmezustand: Über 1.500 Migranten in wenigen Tagen angekommen

Die spanische Nordafrika-Exklave Ceuta erlebt derzeit den stärksten Ansturm seit Jahren. Aufnahmezentren sind überfüllt, die lokale Regierung spricht von einem humanitären Notstand – während Madrid einen zentralen Wunsch der Exklave ablehnt.

Mehr als 1.500 Ankünfte in kürzester Zeit

Ceutas Präsident Juan Jesús Vivas schilderte die Lage gegenüber dem spanischen öffentlich-rechtlichen Sender TVE unmissverständlich: „Wir befinden uns in einer Situation des totalen humanitären und sozialen Notstands“, zitiert oe24 den Regionalchef. Nach seinen Angaben erreichten in den vergangenen Tagen mehr als 1.500 Menschen – darunter Erwachsene und Minderjährige – auf dem Seeweg die Küstenenklave, im Schnitt rund 200 Personen pro Tag. Die vorhandenen Aufnahmezentren seien mittlerweile vollständig ausgelastet, so Vivas. Bemerkenswert an der Entwicklung: Bis zum 15. Juli hatte die spanische Regierung heuer noch keinen einzigen über den Seeweg ankommenden Migranten in Ceuta registriert, wie das Nachrichtenportal NTN24 unter Berufung auf spanische Behördenangaben berichtet.

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Vivas fordert nationalen Notstand – Madrid lehnt ab

Angesichts der Lage forderte Vivas von der Zentralregierung die Ausrufung eines „nationalen Notstands“ sowie eine zentrale Einsatzleitung durch den Staat, wie die spanische Zeitung „El Independiente“ berichtet. Das spanische Innenministerium lehnte diesen Schritt jedoch ab: Die entsprechende Notstandsregelung nach dem Zivilschutzgesetz 17/2015 sehe Migrationsbewegungen schlicht nicht als abgedeckten Risikofall vor – die Regelung gelte ausdrücklich nur für Naturkatastrophen und technische Gefahrenlagen wie Überschwemmungen, Erdbeben oder Waldbrände, erläuterte das Ressort laut „El Español“.

Innenminister reist persönlich an

Trotz der Ablehnung des Notstands kündigte Innenminister Fernando Grande-Marlaska an, sich am Freitag persönlich vor Ort ein Bild zu machen, wie oe24 berichtet. Nach einem Telefonat mit Vivas erklärte das Ministerium, man werde die Lage genau verfolgen und Gespräche mit den zuständigen Behörden vor Ort führen – konkret mit der Regierungsdelegation sowie den Einsatzleitungen von Nationalpolizei und Guardia Civil. Das Ministerium betonte zudem, in der vergangenen Woche bereits zusätzliche Mittel und Kräfte nach Ceuta entsandt zu haben, um sowohl Sicherheit und Migrationskontrolle als auch die notwendige humanitäre Versorgung sicherzustellen, „damit kein Menschenleben auf See gefährdet wird“.

Zusammenarbeit mit Marokko – und ein Todesfall

Spanien betont dabei die enge Kooperation mit den marokkanischen Behörden: Marokkanische Sicherheitskräfte würden zahlreiche weitere Überfahrten bereits im Vorfeld verhindern, erklärte Grande-Marlaska laut „El Plural“. Dass die Überfahrten trotzdem mit erheblichen Risiken verbunden sind, zeigt ein tragischer Vorfall aus der laufenden Woche: Die Guardia Civil bestätigte die Bergung der Leiche eines jungen Mannes, der versucht hatte, die Exklave schwimmend zu erreichen, wie „El Español“ berichtet.

Ein wiederkehrendes Brennpunkt-Muster

Ceuta und die benachbarte Exklave Melilla bilden die einzigen Landgrenzen der Europäischen Union zu Afrika und gelten seit Jahren als zentrale Ziele für Migranten, die über Marokko den Kontinent erreichen wollen. Bereits 2021 hatte ein ähnlicher Massenansturm mit rund 6.000 Ankömmlingen binnen zweier Tage internationale Schlagzeilen gemacht – damals unterstützte auch das spanische Militär bei der Grenzsicherung. Ob und in welchem Umfang diesmal ebenfalls Armeekräfte zum Einsatz kommen, ist auf Basis der bislang vorliegenden offiziellen Angaben nicht abschließend bestätigt; das Innenministerium spricht bislang von verstärkten Polizei- und Sicherheitskräften.

Credits: Screenshot X

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