Der ehemalige Präsident Nicolas Sarkozy wurde zu einer fünfjährigen Haftstrafe verurteilt. Der Vorwurf: Schwarzgelder aus Libyen sollen seinen Wahlkampf 2007 finanziert haben. Das Urteil sorgt für hitzige Debatten und wirft einen dunklen Schatten auf die politische Elite des Landes.
Die Anklage: Millionen in Koffern
Wie oe24.at berichtet, drehte sich der Prozess um den Verdacht, dass der libysche Machthaber Muammar al-Gaddafi Sarkozys Wahlkampf mit Millionenbeträgen unterstützt haben soll. Ein Zeuge behauptete, er habe Ende 2006 oder Anfang 2007 mehrere Koffer mit insgesamt fünf Millionen Euro ins Pariser Innenministerium gebracht – damals unter der Leitung von Sarkozy. Die Ermittlungen zogen sich über mehr als ein Jahrzehnt hin und gipfelten nun in einem spektakulären Urteil.
Keine Gnade: Haft ohne Bewährung
Das Pariser Strafgericht zeigte keine Milde: Sarkozy muss die Strafe ohne Bewährung antreten. Auch eine elektronische Überwachung zu Hause wurde ausgeschlossen. Zusätzlich wurde eine Geldstrafe von 100.000 Euro verhängt. Die Vorsitzende Richterin Nathalie Gavarino sprach von der „außerordentlichen Schwere“ der Tat und betonte, dass es sich um eine kriminelle Vereinigung handelte.
Sarkozy wehrt sich: „Das ist skandalös!“
Der 70-jährige Ex-Präsident zeigte sich nach der Urteilsverkündung kämpferisch. „Was heute geschehen ist, ist extrem schwerwiegend für den Rechtsstaat und das Vertrauen in die Justiz“, erklärte er vor Reportern. Sarkozy kündigte an, in Berufung zu gehen, und fügte hinzu:
„Wenn sie unbedingt wollen, dass ich im Gefängnis schlafe, werde ich im Gefängnis schlafen – aber mit erhobenem Haupt.“
Ein Präsident im Strudel der Justiz
Sarkozy ist kein Unbekannter in den Gerichtssälen. Bereits in einem anderen Verfahren wurde er wegen Bestechung und Einflussnahme zu drei Jahren Haft verurteilt, davon zwei auf Bewährung. Auch ein Rechtsstreit um überhöhte Wahlkampfkosten seiner gescheiterten Wiederwahlkampagne 2012 läuft noch. Trotz dieser Skandale bleibt Sarkozy für viele Anhänger der bürgerlichen Rechten eine einflussreiche Stimme.
Geheimtreffen und Tagebücher: Die Beweise
Der Prozess offenbarte brisante Details: Tagebucheinträge eines Gaddafi-Vertrauten und Berichte über geheime Treffen untermauerten die Vorwürfe. Die Anklage forderte ursprünglich sieben Jahre Haft und eine Geldstrafe von 300.000 Euro. Sarkozy und seine Verteidigung wiesen die Anschuldigungen jedoch als „schwach“ zurück und plädierten auf Freispruch.
Ein tiefer Fall für Frankreichs Elite
Sarkozys Amtszeit von 2007 bis 2012 war geprägt von Affären und Vorwürfen der Günstlingswirtschaft. Nach seiner Niederlage gegen François Hollande 2012 scheiterte er auch 2017 an einer erneuten Präsidentschaftskandidatur. Nun steht der einstige Hoffnungsträger der bürgerlichen Rechten vor den Trümmern seiner politischen Karriere.
Credits: APA
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