Es ist ein Satz, der Deutschland bis heute spaltet: „Wir schaffen das!“ – Angela Merkels berühmte Worte aus der Flüchtlingskrise 2015. Doch was viele nicht wissen: Der Satz stammt ursprünglich von ihrem damaligen Vizekanzler Sigmar Gabriel (SPD). Im Interview mit BILD nimmt Gabriel nun kein Blatt vor den Mund und verteidigt die damalige Politik – mit klaren Worten gegen Kritiker.
„Man hätte die Menschen nicht aufhalten können“
Gabriel, der heute Chef der deutsch-amerikanischen Atlantik-Brücke ist, blickt zurück auf die dramatischen Tage der Flüchtlingskrise.
„Damals kamen täglich 7000 bis 10.000 Menschen nach Deutschland. Wer behauptet, man hätte die Grenzen schließen können, hat entweder keine Ahnung oder kein Herz“, so Gabriel im Gespräch mit BILD.
Er geht sogar noch weiter: „Ohne militärische Gewalt und den Einsatz von Waffen wäre das nicht möglich gewesen. Und wer das fordert, ist ein Klugscheißer.“
Stolz auf Deutschlands Hilfsbereitschaft
Trotz der Herausforderungen sieht Gabriel die damalige Politik positiv.
„Die Deutschen haben Großartiges geleistet. Sie haben den Familien, Männern und Frauen, die an den Bahnhöfen ankamen, geholfen. Darauf können wir stolz sein“, betont er.
Doch er räumt auch ein, dass nicht alles gelungen sei: „Die Integration war eine riesige Aufgabe, und wir haben uns da Illusionen gemacht.“
Kritik an der aktuellen Regierung
Gabriel spart nicht mit Kritik an der heutigen Politik. Die Bundesregierung setze nun auf Grenzkontrollen und Zurückweisungen. „Natürlich gibt es Grenzen der Aufnahmefähigkeit, aber die jetzige Politik ist eine Konsequenz aus den Fehlern der Vergangenheit“, erklärt er. Besonders wichtig sei es, klare Prioritäten zu setzen: „Zwei, drei Dinge versprechen und diese auch umsetzen – das ist der Schlüssel.“
„Wir brauchen ein Bündnis mit der Wirtschaft“
Für die Zukunft fordert Gabriel ein Bündnis mit der deutschen Wirtschaft, um Deutschland wieder als Investitionsstandort attraktiv zu machen. Auch bei den Sozialsystemen sieht er Reformbedarf: „Die Renten sollten nur noch im Rahmen des Inflationsausgleichs steigen. Die jungen Leute können das sonst nicht mehr bezahlen.“
Vertrauen in die Politik schwindet
Laut einer aktuellen Umfrage haben 73 Prozent der Deutschen das Vertrauen in die Problemlösungskompetenz der Politik verloren. Gabriel sieht die Ursache in der Überregulierung: „Wir haben versucht, jedes Risiko zu minimieren, und dabei das größte Risiko eingegangen: Dass sich gar nichts mehr bewegt.“
Quelle: Bild
Credits: APA
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