Selenskyj: USA und Russland fordern dasselbe – Rückzug aus dem Donbass

Selenskyj: USA und Russland fordern dasselbe – Rückzug aus dem Donbass

Vier Jahre nach dem russischen Angriff auf die Ukraine verdichtet sich das Bild in den Waffenruhe-Verhandlungen. In einem AFP-Interview lässt Wolodymyr Selenskyj aufhorchen: Washington und Moskau sind sich beim zentralen Streitpunkt offenbar einig – auf Kosten der Ukraine.

Die Kernbotschaft: Beide wollen den Donbass

Selenskyj sagte im AFP-Interview, das vier Tage vor dem vierten Jahrestag des russischen Einmarsches geführt wurde, unverblümt: „Sowohl die Amerikaner als auch die Russen sagen: Wenn ihr wollt, dass der Krieg morgen endet, dann geht aus dem Donbass raus.“

Damit bestätigt der ukrainische Präsident erstmals öffentlich, dass die US-Position in einem zentralen Punkt mit der russischen übereinstimmt. Wie vienna.at und sn.at berichten, hält die Ukraine rund ein Fünftel der Region Donezk, während russische Truppen so gut wie die gesamte Region Luhansk besetzt halten. Kiew lehnt einen vollständigen Rückzug kategorisch ab und fordert stattdessen, den aktuellen Frontverlauf einzufrieren.

Selenskyj will europäische Truppen – aber nah dran

Gleichzeitig legte Selenskyj in dem AFP-Interview seinen Wunsch für eine mögliche Waffenruhe-Absicherung dar: europäische Truppen sollten so nah wie möglich an der Kontaktlinie stationiert werden. „Natürlich möchten die Ukrainer, dass unsere Partner mit uns an der Frontlinie zusammenstehen“, sagte er. Er räumte jedoch selbst ein, dass „natürlich niemand an der ersten Linie stehen möchte.“

Damit liegt er im Dissens mit den europäischen Hauptinitiatoren einer möglichen Friedenstruppe. Wie mehrere Medien übereinstimmend berichten, unterzeichneten Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und der britische Premier Keir Starmer Anfang Januar mit Selenskyj in Paris eine Absichtserklärung für eine solche multinationale Truppe. Macron machte aber zugleich klar: Die Truppe solle „weit von der Kontaktlinie entfernt“ – zu Land, in der Luft und auf See – eingesetzt werden.

Deutschlands Linie: Bundeswehr bleibt auf NATO-Gebiet

Eine noch klarere Grenze zieht Deutschland. Bundeskanzler Friedrich Merz hatte Anfang Januar erstmals die Entsendung von Bundeswehr-Soldaten im Rahmen einer internationalen Ukraine-Truppe angedeutet – aber mit einer entscheidenden Einschränkung. Wie puls24.at berichtet, sagte Merz damals: „Dazu kann zum Beispiel gehören, dass wir nach einem Waffenstillstand Kräfte für die Ukraine auf benachbartem NATO-Gebiet einmelden.“ Deutsche Soldaten in der Ukraine selbst? Ausgeschlossen.

Verhandlungen in der Schweiz – ohne Einigung in Sicht

Die Gespräche laufen auf mehreren Kanälen. Nach Genfer Verhandlungen zwischen ukrainischen, russischen und US-Vertretern – bei denen im Hintergrund auch ranghohe Diplomaten aus Deutschland, Frankreich und Großbritannien anwesend waren – erwartet Selenskyj eine Fortsetzung in der Schweiz. Russland sieht Europa dabei als Kriegspartei und lehnt eine formale Beteiligung europäischer Vertreter ab. Selenskyj betonte dagegen gegenüber AFP: „Wir brauchen auch europäische Vertreter.“

Eine Einigung ist derzeit nicht in Sicht. Moskau besteht auf Maximalforderungen, Kiew auf dem Einfrieren der Front. Und die zentrale Frage – wer am Ende welches Territorium kontrolliert – bleibt ungeklärt. Selenskyj betonte dennoch: Die Ukraine verliere den Krieg „definitiv nicht“. Die Armee habe zuletzt rund 300 Quadratkilometer in der Südukraine zurückerobert – eine Angabe, die AFP nicht unabhängig verifizieren konnte.


Quellen: AFP-Interview mit Wolodymyr Selenskyj / vienna.at / sn.at / puls24.at / Tagesspiegel / L’essentiel
Credits: APA

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