Seit Anfang März hält Ungarn Bargeld und Gold der ukrainischen Staatsbank Oschadbank fest. Nun dreht der ukrainische Präsident den Druck auf: Er will das Thema direkt mit dem designierten Ministerpräsidenten Peter Magyar klären.
Der Vorfall: Gepanzerte Fahrzeuge, Elite-Kommandos, beschlagnahmte Millionen
Am 5. März 2026 stoppte Ungarns Anti-Terror-Polizei auf der Autobahn M5 in Budapest einen Konvoi der ukrainischen Staatsbank Oschadbank. Zwei gepanzerte Fahrzeuge, die aus Österreich in Richtung Ukraine unterwegs waren, wurden von maskierten Kommandos blockiert – sieben ukrainische Staatsbürger wurden festgenommen. Wie der ORF berichtete, umfasste die beschlagnahmte Ladung 40 Millionen US-Dollar, 35 Millionen Euro sowie neun Kilogramm Gold im Wert von insgesamt rund 82 Millionen Dollar.
Die ungarische Steuer- und Zollbehörde NAV begründete den Zugriff mit dem Verdacht auf Geldwäsche. Ungarns Außenminister Peter Szijjarto stellte laut ORF öffentlich die Frage, ob es sich um Gelder der „ukrainischen Kriegsmafia“ handele. Die sieben Festgenommenen wurden nach mehr als 24 Stunden aus Ungarn abgeschoben, die Fahrzeuge etwas später zurückgegeben – das Geld und das Gold blieben.
Kiew spricht von „Banditentum“, Orbán lässt alles einbehalten
Die Reaktion aus Kiew ließ nicht lange auf sich warten. Wie Euronews berichtete, bezeichnete Selenskyj das Vorgehen Budapests als „Banditentum“ und rief europäische Staats- und Regierungschefs auf, nicht zu schweigen. Außenminister Andrij Sybiha sprach von „Staatsterrorismus und Erpressung.“
Die Oschadbank ihrerseits betonte, der Transport sei routinemäßig vorbereitet worden und alle nötigen Dokumente hätten vorgelegen. Wie Euronews weiter berichtete, stellten Bankmitarbeiter nach der Rückkehr der Fahrzeuge fest, dass die Kabel des internen Überwachungssystems durchtrennt und die Festplatten des Videoüberwachungssystems entfernt worden waren.
Ungarns Premier Viktor Orbán ließ sich davon nicht beeindrucken: Per Sonderbeschluss ordnete er an, Bargeld und Gold bis zum Abschluss der Ermittlungen für bis zu 60 Tage einzubehalten.
Magyar als neuer Gesprächspartner
Nun kommt Bewegung in die Angelegenheit – wenn auch von unerwarteter Seite. Bei den ungarischen Parlamentswahlen am 12. April gewann die Tisza-Partei unter Peter Magyar, Orbáns schärfstem innenpolitischen Gegner. Magyar soll im Mai das Amt des Ministerpräsidenten antreten.
Wie der ORF berichtete, kündigte Selenskyj am 20. April im ukrainischen Fernsehen an, das Thema direkt mit Magyar ansprechen zu wollen. „Wir möchten das Geld immer noch zurückbekommen. Sie haben einen Teil unserer Gelder beschlagnahmt. […] Orbán hat dieses Geld einfach gestohlen“, so Selenskyj laut dem ukrainischen Nachrichtenkorrespondenten von Ukrinform.
Ausblick: Ermittlungen laufen, Urteil offen
Ein nächster Verhandlungstermin ist laut ORF für den 24. April angesetzt – an dem Tag soll aber noch kein Urteil gesprochen werden. Das Geld bleibt vorerst in Ungarn. Ob Magyar als neuer Regierungschef eine pragmatischere Linie gegenüber Kiew einschlägt, wird sich zeigen. Die diplomatische Eiszeit zwischen Budapest und Kiew dauert jedenfalls an. Es gilt die Unschuldsvermutung für alle Beteiligten.
Credits: APA
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