Kiew schlägt eine diplomatisch brisante Brücke zwischen dem Ukrainekrieg und dem Iran-Konflikt. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj wirft Russland vor, den Nahen Osten aktiv zu destabilisieren — durch gezielte Weitergabe von Geheimdienstinformationen an Teheran.
Was Selenskyj konkret behauptet
In seiner abendlichen Videobotschaft vom 23. März erklärte Selenskyj laut dpa-AFX, die Ukraine verfüge über „unwiderlegbare Beweise“ dafür, dass Russland der iranischen Führung weiterhin mit Geheimdienstdaten helfe. Er berief sich dabei ausdrücklich auf Berichte des ukrainischen Militärgeheimdienstes HUR sowie des Inlandsgeheimdienstes SBU. Konkrete Details oder Belege nannte er öffentlich nicht.
Die russische Unterstützung umfasse laut Selenskyj eigene Fähigkeiten in der Signal- und elektronischen Aufklärung sowie Daten aus regionalen Partnerschaften im Nahen Osten. Wie Weltwoche berichtet, warnte der ukrainische Präsident: „Das ist eindeutig destruktive Aktivität und muss gestoppt werden, da sie nur zu weiterer Destabilisierung führt.“
Russland verlängert damit laut Kiew den Iran-Krieg
Selenskyjs zentraler Vorwurf geht über reine Informationsweitergabe hinaus. Indem Moskau dem iranischen Regime helfe, präziser zuzuschlagen, verlängere es faktisch den Krieg im Nahen Osten, so der ukrainische Präsident. Wie gamereactor.de berichtet, argumentiert Kiew, dass Russland durch die Verbesserung iranischer Zielerfassungsfähigkeiten den Konflikt effektiv verstärke und dessen globale Auswirkungen ausweite.
Die wirtschaftliche Dimension dabei ist für Kiew ebenfalls relevant: Laut tagesspiegel.de profitiert Russland direkt vom durch den Iran-Krieg ausgelösten Ölpreisanstieg. Berechnungen der Nachrichtenagentur Reuters zufolge dürften die russischen Öl- und Gaseinnahmen im April im Vergleich zum März um rund 70 Prozent steigen. Der Ölpreis hat sich seit Kriegsbeginn Ende Februar von rund 70 auf über 100 Dollar pro Barrel erhöht.
Kreml weist Vorwürfe zurück
Der Kreml dementiert alle Anschuldigungen. Wie gamereactor.de berichtet, hat Moskau ähnliche Vorwürfe in den vergangenen Tagen bereits mehrfach als falsch zurückgewiesen. Berichte über einen russisch-iranischen Geheimdienstaustausch und militärische Zusammenarbeit seien „Fake News“, so der offizielle Standpunkt.
Unabhängige Überprüfung fehlt
Journalistisch ist festzuhalten: Selenskyjs Behauptungen stützen sich auf ukrainische Geheimdienstquellen und wurden bisher nicht durch unabhängige Dritte verifiziert. Die Ukraine hat ein offensichtliches strategisches Interesse daran, die internationale Aufmerksamkeit auf eine mögliche russisch-iranische Achse zu lenken — gerade jetzt, da der Iran-Krieg droht, den Ukraine-Konflikt aus dem Fokus zu drängen.
Quellen:
- weltwoche.de: „Unwiderlegbare Beweise“: Selenskyj wirft Russland Geheimdiensthilfe für den Iran vor
- dpa-AFX (via investing.com, onvista.de): Selenskyj: Russland hilft Iran mit Geheimdienstinformationen
- tagesspiegel.de: Liveticker Ukraine — Russland gibt laut Selenskyj Geheimdienstinformationen an den Iran weiter
- gamereactor.de: Selenskyj sagt, die Ukraine habe „unwiderlegbare“ Beweise für russische Geheimdienstunterstützung für den Iran
- Reuters (via tagesspiegel.de): Russische Öl- und Gaseinnahmen durch Iran-Krieg
Credits: APA
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