Sechs Jahre Volksschule: Wiederkehr findet Pilotschulen — und bleibt bei seinem Plan

Sechs Jahre Volksschule: Wiederkehr findet Pilotschulen — und bleibt bei seinem Plan

Der Bildungsminister will die Volksschule um zwei Jahre verlängern. Viele schütteln den Kopf. Und trotzdem: Die ersten Schulen wollen mitmachen.

Der Plan, den viele für unmöglich halten

Sechs Jahre Volksschule statt vier — das klingt nach einer Revolution im österreichischen Bildungssystem. Und irgendwie ist es das auch. Bildungsminister Christoph Wiederkehr (NEOS) hat den Vorschlag in die Welt gesetzt, und seitdem reißen die Reaktionen nicht ab. Die Lehrergewerkschaft ist wenig begeistert. Die Opposition spricht von Ankündigungspolitik. Und trotzdem: In der ORF-Pressestunde am Sonntag berichtete Wiederkehr, es habe bereits „sehr viel Interesse“ daran gegeben, Pilotschule zu werden.

Das ist nicht nichts.

Warum ausgerechnet sechs Jahre?

Wer Wiederkehrs Argumentation einmal in Ruhe zuhört, versteht zumindest, woher der Gedanke kommt. Das eigentliche Problem ist nicht die Volksschulzeit an sich — es ist der Moment danach. Mit zehn Jahren müssen Kinder zwischen Mittelschule und Gymnasium wählen. Wie orf.at berichtet, nannte der Minister das beim Namen: „Mit zehn ist es vor allem ein Test der Eltern.“ Mit zwölf wüssten die Kinder deutlich besser, wo ihre Stärken liegen.

Zwei zusätzliche Jahre gemeinsames Lernen, kein Druck in der dritten Klasse Volksschule, mehr Zeit für jene, die sie brauchen — das ist die Idee. Unterrichtet werden soll von Volksschul- und Gymnasiallehrkräften gleichermaßen. Was in diesen zwei Jahren konkret passiert, soll sich von der ersten und zweiten Gymnasialklasse unterscheiden: „Wir werden nicht das Gleiche machen“, so Wiederkehr. Mehr zusammenhängendes Denken, weniger Fächerparcours.

Pilotschulen als erster Test

Der nächste Schritt sind freiwillige Pilotstandorte. Wie orf.at berichtet, soll das Modell dort erprobt werden, bevor größere Schritte folgen. Dass sich bereits Schulen gemeldet haben, wertet Wiederkehr als Signal — auch wenn die Opposition das erwartungsgemäß anders sieht. Grünen-Bildungssprecherin Sigrid Maurer attestierte dem Minister, gut im Ankündigen und schlecht im Umsetzen zu sein.

Das mag stimmen oder nicht — beweisen lässt es sich erst, wenn die Pilotschulen laufen. Und das ist letztlich der einzig faire Maßstab.

Was das mit Deutsch zu tun hat

Der sechsjährigen Volksschule liegt dasselbe Grundproblem zugrunde, das Wiederkehr als das drängendste im gesamten Schulsystem bezeichnet: fehlende Deutschkenntnisse. Kinder, die der Sprache nicht mächtig sind, starten mit einem strukturellen Nachteil ins Schulleben — und holen ihn oft nie mehr auf. Die Volksschulverlängerung soll auch das abfedern.

Ob sechs Jahre dafür reichen, wenn man die ersten zwei davon im Kindergarten schon verschläft — das ist eine berechtigte Frage. Wiederkehr hat ihr noch keine vollständige Antwort gegeben. Aber immerhin stellt er sie laut.

Credits: APA

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