Niemand weiß, wie viele Soldaten wirklich gehen — nicht mal die Truppen selbst

Niemand weiß, wie viele Soldaten wirklich gehen — nicht mal die Truppen selbst

Trump kündigt einen deutlich größeren Truppenabzug aus Deutschland an als zunächst bekannt. Wen es genau trifft, wann und wo — das wissen die Betroffenen vor Ort noch nicht. Und das ist das eigentliche Problem.

„Weit mehr als 5.000″ — aber konkret?

Nachdem das Pentagon am Freitag offiziell den Abzug von 5.000 US-Soldaten aus Deutschland angekündigt hatte, legte Trump am Samstag am Flughafen Palm Beach nach. „Wir werden stark reduzieren, und zwar um weit mehr als 5.000″, sagte er laut den Salzburger Nachrichten auf eine Reporterfrage. Derzeit sind rund 39.000 US-Soldaten in Deutschland stationiert. Welche Standorte konkret betroffen sind, welche Einheiten abgezogen werden und wann genau — dazu schweigt die US-Regierung bisher.

Ramstein zittert — wirtschaftliche Folgen für ganze Regionen

Die Unklarheit trifft besonders jene Gemeinden, die wirtschaftlich eng mit den US-Basen verflochten sind. Ramsteins Bürgermeister Ralf Hechler brachte es laut den Salzburger Nachrichten auf den Punkt: „Mit Familiennachzug sind das 10.000 bis 12.000 Menschen. Wenn ein großer Teil davon wegfällt, wäre das ein großer wirtschaftlicher Einschnitt.“ Dazu kommt: Die US-Truppen in Deutschland sind keine bloße symbolische Präsenz. In Europa sind laut US-Militär insgesamt 86.000 amerikanische Soldaten stationiert — bei Einsätzen im Nahen Osten und anderswo sind die deutschen Basen logistisch unverzichtbar.

Pistorius deeskaliert — Merz schweigt

Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) versuchte, die Lage zu beruhigen. Die US-Präsenz in Deutschland liege „in unserem Interesse und im Interesse der USA“, sagte er laut den Salzburger Nachrichten. Den Hintergrund machte er aber ebenfalls klar: Ein solcher Schritt sei „absehbar“ gewesen. Bundeskanzler Friedrich Merz, dessen Kritik an der US-Iran-Strategie den unmittelbaren Auslöser für Trumps Drohung lieferte, schwieg öffentlich.

Wicker und Rogers: Warnung aus Trumps eigener Partei

Bemerkenswert ist der Widerstand, der aus Trumps eigenen Reihen kommt. Die einflussreichen Republikaner Roger Wicker und Mike Rogers — Vorsitzende der Streitkräfteausschüsse in Senat und Repräsentantenhaus — erklärten laut den Salzburger Nachrichten gemeinsam: Deutschland habe auf Trumps Forderungen reagiert und seine Verteidigungsausgaben deutlich erhöht. Ein voreiliger Abzug schwäche die Abschreckung und sende ein falsches Signal an Wladimir Putin. Die beiden wiesen auch darauf hin, dass das Pentagon ein Bataillon für weitreichende Waffen nun offenbar doch nicht nach Deutschland entsenden werde — ein Plan, den noch Biden-Vorgänger beim NATO-Gipfel 2024 angekündigt hatte. Sollte dieser tatsächlich vom Tisch sein, wäre das nach Einschätzung von Beobachtern gravierender als der angekündigte Truppenabzug selbst. Europa hat keine eigenen Mittelstreckenraketen — und hatte fest mit der US-Stationierung als Abschreckung gegenüber Russland gerechnet.

Credits: APA

Teilen:
0 0 Abgegebene Stimmen
Artikel Bewertung
Abonnieren
Benachrichtigung von
guest
0 Kommentare
Älteste
Neuestes Meistgewählt
Inline-Rückmeldungen
Alle Kommentare anzeigen
0
Ich würde mich über Ihre Meinung freuen, bitte kommentieren Sie.x