Die nächste Eskalation im transatlantischen Handelsstreit steht bevor. Trump will Autozölle auf EU-Produkte von 15 auf 25 Prozent erhöhen — schon ab nächster Woche. Für die deutsche Wirtschaft könnte das zum Kipppunkt werden.
Fuest: Rezession 2026 möglich
Die Warnung kommt von höchster wirtschaftswissenschaftlicher Stelle. Ifo-Präsident Clemens Fuest erklärte gegenüber der Bild-Zeitung unmissverständlich: „Falls daraus ein neuer Handelskrieg wird, droht Deutschland 2026 eine Rezession.“ Die geplante Anhebung der US-Autozölle auf 25 Prozent treffe die deutsche Automobilindustrie zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt — in einer ohnehin schwierigen Lage. Dass die Maßnahmen bereits kommende Woche greifen sollen, lässt kaum Zeit für Reaktion oder Verhandlung.
Drei Experten, drei Strategien
Die wirtschaftspolitische Debatte in Deutschland spaltet sich in drei Lager. Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), plädiert laut Handelsblatt für eine harte Gegenreaktion: Trump sei innenpolitisch gerade geschwächt — genau jetzt sei der Moment für Gegenzölle und die Besteuerung US-amerikanischer Technologiekonzerne. „Trump nutze ständiges Nachgeben als Schwäche aus“, so Fratzscher.
Moderater argumentiert Jens Südekum, Berater im deutschen Finanzministerium: Zunächst solle abgewartet werden, ob die angekündigten Zölle tatsächlich erhoben werden. Für den Ernstfall spricht er sich für „angemessene Gegenmaßnahmen“ der EU aus.
Industrie fordert Standhaftigkeit — und Deeskalation
Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) kritisierte Trumps Ankündigungen als „erneute massive Herausforderung für die transatlantischen Wirtschaftsbeziehungen“, die weit über die Automobilbranche hinausgingen. Dennoch mahnte der BDI laut trend.at auch die EU: Eingegangene Verpflichtungen aus dem bestehenden Handelsabkommen müssten ebenfalls erfüllt werden. „Es gilt, Vertrauen zu sichern und weiteren Eskalationen vorzubeugen.“
Volker Treier, Außenwirtschaftschef der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK), sprach von einer „unnötigen Eskalation zu einem Zeitpunkt, an dem deutsche und europäische Unternehmen bereits erheblich leiden.“ Die Ausfuhren in die USA seien bereits 2025 um fast zehn Prozent zurückgegangen. Sein Appell: Die EU müsse „geschlossen, souverän und entschlossen“ auftreten — und parallel Alternativen wie das neue Mercosur-Abkommen mit südamerikanischen Staaten aktiv ausbauen.
Credits: Wikipedia
Neueste Kommentare