Die Schweiz wird keine Bevölkerungsobergrenze einführen. Laut ersten Hochrechnungen lehnt das Stimmvolk die SVP-Initiative „Keine 10-Millionen-Schweiz“ mit rund 55 Prozent Nein-Stimmen ab — deutlicher als erwartet.
Das Ergebnis
Laut der Hochrechnung von GFS Bern im Auftrag der SRG SSR vom frühen Nachmittag lehnen 55 Prozent der Stimmenden die Initiative ab, nur 45 Prozent befürworten sie, wie SRF berichtet. Der Fehlerbereich liegt bei ±2 Prozent. Politologe Lukas Golder kommentierte das Ergebnis gegenüber SRF: Ein Ja sei nicht mehr realistisch. Laut swissinfo.ch war das Resultat „etwas deutlicher als von vielen erwartet.“
Was auf dem Spiel stand
Die SVP-Volksinitiative wollte die ständige Wohnbevölkerung der Schweiz bis 2050 unter zehn Millionen halten. Sobald die Marke von 9,5 Millionen erreicht wird, hätten laut easyvote.ch Bundesrat und Parlament verpflichtende Maßnahmen ergreifen müssen — zunächst bei Asyl und Familiennachzug, im Extremfall durch die Kündigung der Personenfreizügigkeit mit der EU. Das hätte laut SRF auch das neue Vertragspaket „Bilaterale III“ gefährdet, das die Schweiz erst im März 2026 mit der EU unterzeichnet hatte.
Warum die Initiative scheiterte
Laut SRF-Analyse überzeugten am Ende zwei Kernargumente die Nein-Mehrheit: Der bilaterale Weg mit der EU soll nicht gefährdet werden — und die Zuwanderung werde gebraucht, etwa in Pflege und Gastronomie. Mitte-Nationalrätin Yvonne Bürgin sagte gegenüber SRF: „Am Schluss haben die Argumente überzeugt, dass ein starrer Deckel keine Lösung ist. Das will das Volk nicht.“
SVP-Großrätin Stephanie Gartenmann wertete die rund 45 Prozent Ja-Stimmen dennoch als politisches Signal: „Das ist ein Auftrag an die Politik, die Zuwanderung zu bremsen“, sagte sie laut bluewin.ch. Die 52 Prozent Ja in ihrer Heimatgemeinde Lauterbrunnen interpretierten sie als regionales Zeichen — auf dem Land hatte die Initiative mehr Rückhalt.
Das zweite Ja: Zivildienst wird schwieriger
Gleichzeitig stimmte die Schweiz heute über das Zivildienstgesetz ab — mit entgegengesetztem Ergebnis. Laut erster GFS-Bern-Hochrechnung stimmten 53 Prozent dafür, den Wechsel vom Militär in den Zivildienst zu erschweren, wie bluewin.ch berichtet. Neu gilt eine Mindestpflicht von 150 Diensttagen, bevor ein Wechsel möglich ist.
EINORDNUNG
Das Nein zur 10-Millionen-Initiative ist eine Niederlage für die SVP — aber kein Schlussstrich unter der Migrationsdebatte. Dass fast die Hälfte des Stimmvolks für einen Bevölkerungsdeckel gestimmt hat, zeigt: Das Thema Dichte und Zuwanderung bewegt die Schweiz. Was das Volk abgelehnt hat, ist nicht die Sorge — sondern das Instrument. Ein starrer Deckel, der im Extremfall internationale Verträge opfert, war offenbar zu radikal.
Credits: Bild mit KI erstellt
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