Am Wochenende zogen mehrere Tausend Menschen durch Rom unter dem Motto „Remigration und Rückeroberung“. Gleichzeitig gründete sich eine neue Rechtspartei. Was in der Hauptstadt passierte — und was es bedeutet.
Die Demo und was dort passierte
Etwa 4.000 Menschen zogen laut Polizeiangaben am Samstag durch das römische Viertel Prati — mit einem Banner mit der Aufschrift „Remigration und Rückeroberung“, wie dpa und AP via t-online.de berichten. Die Nachrichtenagentur AFP sprach laut apollo-news.net von rund 3.000 Teilnehmern. Die Demonstration stand unter starkem Polizeiaufgebot: Jede Seitenstraße war durch Polizeifahrzeuge blockiert, Hubschrauber und Drohnen kreisten am Himmel.
Was den Aufmarsch über eine gewöhnliche Kundgebung hinausgehen lässt: Einige Teilnehmer streckten die rechten Arme zum faschistischen Gruß in die Höhe und riefen „Duce! Duce!“ — eine Anspielung auf Mussolini-Diktator Benito Mussolini, wie Rhein-Neckar-Zeitung und t-online.de übereinstimmend berichten. Vor dem Kolosseum versammelte sich zeitgleich eine Gegendemo mit dem Banner „Fuck remigration.“
Was die Initiative konkret will
Die Demo war laut apollo-news.net Anlass einer Volksgesetzesinitiative, die nach Angaben der Organisatoren die erforderlichen 50.000 Unterschriften für eine parlamentarische Behandlung erreicht habe. Inhalt: verpflichtende Ausweisungen ausländischer Straftäter nach Verbüßung ihrer Strafe, längere Wiedereinreisesperren, ein staatliches Remigrationsprogramm und finanzielle Anreize für regulär in Italien lebende Nicht-EU-Ausländer, das Land freiwillig zu verlassen. Möglicherweise vorgesehen ist auch der Entzug der Staatsbürgerschaft für eingebürgerte Italiener bei bestimmten schweren Straftaten.
Gleichzeitig: Gründungsparteitag von Futuro Nazionale
Parallel zur Demo fand in Rom der Gründungsparteitag der neuen rechten Partei Futuro Nazionale statt — gegründet vom früheren Lega-Europa-Abgeordneten und Ex-Armeegeneral Roberto Vannacci, wie t-online.de berichtet. Vannacci hatte im vergangenen Jahr die Lega verlassen und kritisiert Ministerpräsidentin Giorgia Meloni seither als zu weich. Beim Parteitag rief er laut dpa „Italien den Italienern.“
Linke Opposition empört — Meloni schweigt
Von der linken Opposition in Italien kam scharfe Kritik. Der Abgeordnete Angelo Bonelli bezeichnete die gerufenen Parolen laut Rhein-Neckar-Zeitung als „abscheulich“ und warf Meloni Schweigen vor. Die Ministerpräsidentin, die seit dreieinhalb Jahren mit einer rechten Koalition regiert, äußerte sich zu den faschistischen Grüßen und Mussolini-Rufen zunächst nicht.
EINORDNUNG
Die Demo in Rom ist kein Einzelfall — sie steht im Kontext einer wachsenden europaweiten Bewegung, die den Begriff „Remigration“ politisch besetzt. Was als wissenschaftlicher Ausdruck für Rückwanderung begann, ist in den vergangenen Jahren zur Kampfvokabel einer organisierten Rechten geworden — mit Konferenzen in Mailand und Vernetzungen quer durch Europa. Dass die Demonstration trotz faschistischer Grüße unter starkem Polizeischutz stattfinden durfte und Meloni schweigt, wird als Signal gewertet: Die Grenze zwischen regierungsnaher Rechten und offenkundigem Neofaschismus verwischt in Italien zunehmend.
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