Schulreform mit Widerwillen: Gewerkschaft schießt gegen Wiederkehrs „Mittleres Management“

Schulreform mit Widerwillen: Gewerkschaft schießt gegen Wiederkehrs „Mittleres Management“

Bildungsminister Christoph Wiederkehr (NEOS) hat nach langen Koalitionsverhandlungen eine neue Führungsebene für Schulen durchgesetzt. Der Verfassungsausschuss hat bereits zugestimmt — doch die Lehrergewerkschaft torpediert das Vorhaben weiter.

Was das „Mittlere Management“ bringen soll

Die Idee ist so simpel wie die Umsetzung offenbar kompliziert: Schuldirektionen sollen künftig von erfahrenen Lehrkräften bei organisatorischen Aufgaben entlastet werden — Elternarbeit, Schulveranstaltungen, Qualitätsentwicklung. Wie das österreichische Parlament in seiner Presseaussendung zum Verfassungsausschuss festhält, bezeichnete Wiederkehr das Vorhaben als „wichtigen und historischen Schritt“ und betonte, dass vor allem große Schulen mit enormer Führungsspanne profitieren würden.

Wie oe24 berichtet, soll das Modell ab dem Schuljahr 2026/27 zunächst an Pflichtschulen mit mindestens 15 Klassen starten — kleinere Schulen folgen erst ein Jahr später. Wie die Tiroler Tageszeitung unter Berufung auf die APA berichtet, rechnet das Ministerium ab 2027 mit jährlichen Mehrkosten von rund 19,7 Millionen Euro.

Kimberger: „Tendenziell und willkürlich“

Die Lehrergewerkschaft lässt kein gutes Haar an dem Entwurf. Wie nachrichten.at und die BVZ unter Berufung auf ORF Ö1 berichten, nannte der oberste Pflichtschullehrervertreter Paul Kimberger (FCG) die Pläne „unausgegoren“ und betonte: „Nicht nur größere Schulen brauchen Entlastung, alle Schulen brauchen Entlastung.“

Kimbergers zentrales Problem laut APA-Stellungnahme: Wie vol.at berichtet, kritisierte er die Verteilungslogik als „tendenziell und willkürlich“. Im Regierungsprogramm seien mehr Ressourcen für mittelgroße Schulen angekündigt worden — während Kimberger eine Pflichtschule schon ab sieben oder acht Klassen als mittelgroß einstuft, sollen die entsprechenden Mittel erst ab 15 Klassen fließen. Damit würden über 40 Prozent der Mittel an nur ein Zehntel der Standorte gehen.

Zu kompliziert, zu unübersichtlich

Kimberger warnt darüber hinaus vor einem Planungschaos: Das neue Modell überschneide sich zeitlich mit den gerade erst eingeführten „pädagogisch-administrativen Fachkräften“. Wie vol.at berichtet, befürchtet er, dass Ressourcen aus diesem System umgeschichtet werden könnten, um das neue Modell zu finanzieren.

Auch die AHS-Gewerkschaft ist nicht vollends zufrieden. Wie die Tiroler Tageszeitung unter Berufung auf AHS-Direktorensprecher Bernd Vogel berichtet, fehle trotz der grundsätzlichen Zufriedenheit mit den neuen Möglichkeiten immer noch pädagogische Unterstützung für Schulleitungen — insbesondere dann, wenn ein Direktor über 100 Lehrkräfte führen soll.

ÖVP kündigt Nachbesserungen an

Der Gesetzesentwurf hat den Verfassungsausschuss bereits passiert, doch das letzte Wort ist noch nicht gesprochen. Wie die Tiroler Tageszeitung unter Berufung auf die APA berichtet, stellte ÖVP-Bildungssprecher Nico Marchetti bis zur Nationalratssitzung Ende März einen Abänderungsantrag in Aussicht: „Auf Basis der Rückmeldung der Ausschussbegutachtung wird ein Abänderungsantrag verhandelt, der im Plenum eingebracht werden soll.“ Mit SPÖ und NEOS gibt es dazu noch keine Einigung.


Quellen:

  • APA / Österreichisches Parlament (Primärquelle, Ausschussbericht): parlament.gv.at
  • Tiroler Tageszeitung / vol.at (APA-Bericht)
  • nachrichten.at / BVZ (ORF Ö1-Interview Kimberger)
  • oe24.at

Credits: APA

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