Schüler sollen Pausenbrot verstecken – wegen Ramadan

Schüler sollen Pausenbrot verstecken – wegen Ramadan

Eine Schule in Nordrhein-Westfalen sorgt deutschlandweit für Aufsehen. Eine Lehrerin wies Kinder an, sich beim Essen wegzudrehen. Eltern sprechen von Mobbing.

Die Anweisung, die alles ins Rollen brachte

Die Joseph-Beuys-Gesamtschule in Kleve wirbt auf ihrer Website stolz mit den Titeln „Schule mit Courage“ und „Schule der Vielfalt“. Doch ausgerechnet in der Pausenhalle ist davon wenig zu spüren. Wie die Bild-Zeitung berichtet, wurde zu Beginn des muslimischen Fastenmonats Ramadan in einer fünften Klasse eine Anweisung erlassen: Nicht-muslimische Schüler sollen sich beim Essen ihres Pausenbrots wegdrehen, damit fastende Mitschüler sich nicht gestört fühlen. JUNGE FREIHEIT

Die Klassenlehrerin rechtfertigte das schriftlich gegenüber einer Mutter: „Wir haben gemeinsam darüber gesprochen, dass Trinken und Essen in den Pausen weiterhin vollkommen in Ordnung ist, aber dass die Kinder, die nicht fasten, nicht mit ihrem Essen o. ä. provozieren sollen. Die Kinder sollen sich im besten Fall gegenseitig nicht beim Essen oder Nichtessen beobachten, sodass die Regel, sich wegzudrehen, für alle Kinder gilt.“ exxpress

Mütter berichten von Druck und Ausgrenzung

Für die betroffenen Eltern geht die Sache weit über eine Geste der Rücksichtnahme hinaus. Eine Mutter schildert gegenüber Bild: „Die muslimischen Kinder haben meiner Tochter und ihrer Freundin gesagt: Wir haben Ramadan, du musst jetzt fasten und dein Brot in die Tonne werfen! Als die Mädchen dann zum Lehrer gingen, sagte er, unsere Kinder sollen sich beim Essen wegdrehen.“ exxpress

Eine weitere Mutter berichtet laut Berliner Kurier, ihre Tochter habe dem Lehrer unter Tränen geschildert, sich ausgegrenzt und diskriminiert zu fühlen. Einige Schüler hätten demonstrativ Würge- und Kotzgeräusche gemacht, wenn Mitschüler in der Pause ihr Brot aßen. Berliner Kurier

Zudem soll eine Schülerin aufgrund ihrer Herkunft als „hässliches deutsches Mädchen“ beleidigt worden sein. oe24.at

17 von 21 Schülern mit Migrationshintergrund

Die Klassenstruktur ist dabei aufschlussreich: 21 Kinder zwischen zehn und zwölf Jahren besuchen die betroffene Klasse – 17 davon haben einen Migrationshintergrund, mehrere von ihnen fasten. Ein Junge hat die Schule dem Bericht zufolge bereits verlassen, weil er sich gemobbt gefühlt haben soll. exxpress

Kein Weihnachtsfest, aber Iftar-Einladung

Besonders auffällig für einige Eltern: In der Schule gab es bislang keine gemeinsame Weihnachtsfeier. Am 27. Februar wurde jedoch per Rundschreiben zum „Iftar“ – dem täglichen Fastenbrechen im Ramadan – in der Schule eingeladen: „Dieses besondere Ereignis möchten wir wieder an unserer Schule gemeinsam mit Schülern, Lehrern und Eltern feiern.“ exxpress

Einordnung

Die Berichte basieren auf Elternaussagen und einem Chatprotokoll zwischen einer Mutter und der Klassenlehrerin, das Bild vorliegt. Eine offizielle Stellungnahme der Schule oder der zuständigen Schulbehörde liegt bislang nicht vor. Der Fall illustriert eine Debatte, die bundesweit geführt wird: Wo endet Rücksichtnahme – und wo beginnt die Einschränkung anderer?


Quellen: Bild, exxpress.at, Berliner Kurier, oe24.at, Apollo News
Credits: APA

Teilen:
0 0 Abgegebene Stimmen
Artikel Bewertung
Abonnieren
Benachrichtigung von
guest

0 Kommentare
Älteste
Neuestes Meistgewählt
0
Ich würde mich über Ihre Meinung freuen, bitte kommentieren Sie.x