Schnitzel-Alarm! Weniger Milch und Kälber durch den Klimawandel?

Schnitzel-Alarm! Weniger Milch und Kälber durch den Klimawandel?

Sorgt der Klimawandel bald für einen Schnitzel-Engpass in Österreich? Forscher der Veterinärmedizinischen Universität Wien meinen, dass steigende Temperaturen und zunehmende Hitzetage die Fortpflanzung und Leistungsfähigkeit von Rindern in Niederösterreich spürbar beeinträchtigen. Besonders die Fruchtbarkeit leidet: In den heißen Sommermonaten sank die Trächtigkeitsrate zuletzt um bis zu 20 Prozent – und wenn es weniger Kälber gibt, dann …

Im Rahmen eines umfassenden Forschungsprojekts sammelte ein Team unter der Leitung des Reproduktionsspezialisten Viteszlav Havlicek von der VetMed Wien erstmals systematisch Daten zu den Auswirkungen von Hitzestress auf heimische Rinder. An den universitätseigenen Forschungsstandorten in Wieselburg (Bezirk Scheibbs) und Pottenstein (Bezirk Baden) analysierten die Wissenschafter Eileiterflüssigkeit, Embryonen und das Verhalten der Tiere unter realen und simulierten Hitzebedingungen.

„Die Wohlfühltemperatur von Rindern liegt zwischen vier und 16 Grad Celsius“, erklärt Havlicek. Bereits ab etwa 22 Grad – bei gleichzeitig hoher Luftfeuchtigkeit – beginnen Tiere unter Stress zu geraten. „Der Körper überhitzt, was sich negativ auf die Eizellenqualität und die Embryonalentwicklung auswirkt. In der Folge sinkt die Befruchtungsrate, Embryonen sterben häufiger frühzeitig ab.“

Weniger Nachwuchs, weniger Milch

Die Folgen reichen über die Reproduktionsprobleme hinaus. Denn: Weniger Kälber bedeuten auf lange Sicht auch weniger Milchkühe – und damit geringere Erträge. Gleichzeitig sinkt unter Hitzestress auch die tägliche Futteraufnahme der Tiere, teils um bis zu 25 Prozent. „Das wirkt sich direkt auf die Milchproduktion aus – weniger Energie bedeutet auch weniger Milch“, so der Experte.

Besonders empfindlich reagieren laut Studie klassische europäische Hochleistungsrassen wie Holstein-Friesian oder Jersey. Hitzeresistentere Rassen wie das aus Südasien stammende Zebu sind zwar besser angepasst, liefern aber deutlich weniger Milch. Versuche, durch Kreuzungen widerstandsfähigere Rinder mit guter Milchleistung zu züchten, bewerten die Forschenden eher skeptisch.

Stallklima wird zur Zukunftsfrage

Für Havlicek und sein Team liegt der Schlüssel in technischen und biologischen Lösungen. Die Veterinärmedizinische Universität rät Landwirten, stärker in Hitzemanagement zu investieren: etwa durch Lüftungssysteme, Sprühnebel, Ventilatoren oder beschattete Weideflächen. „Vor allem nächtliche Abkühlung ist entscheidend, damit sich die Tiere zumindest stundenweise erholen können“, betont Havlicek.

Zusätzlich forscht die Universität nun an weiteren präventiven Maßnahmen gegen Hitzestress. Im Fokus steht ein Folgeprojekt unter Leitung von Assistenzprofessorin Karen Wagener. Es untersucht unter anderem den Einsatz von Probiotika oder anderen immunstärkenden Substanzen, die gezielt die Widerstandskraft der Gebärmutter verbessern sollen.

„Wir wollen die natürlichen Schutzmechanismen im Fortpflanzungssystem der Kuh stärken, um sie robuster gegen die klimatischen Belastungen zu machen“, sagt Wagener. Ziel sei es, künftig gezielt Ergänzungen verabreichen zu können, um Fruchtbarkeit und Tiergesundheit auch in heißen Sommern zu stabilisieren.

Credit: APA

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