Das Bundesland Salzburg fackelt nicht länger. Als erstes Bundesland in Österreich plant man hier den präventiven Abschuss von Wölfen. Die Raubtiere sollen erlegt werden, noch bevor sie überhaupt ein Schaf oder ein Rind auf den heimischen Almen gerissen haben.
Der Plan für den Almsommer
Die für die Jagd zuständige Landeshauptfraustellvertreterin Marlene Svazek von der FPÖ macht klar: Der Schutz der Alm- und Weidewirtschaft steht an erster Stelle. Wie oe24.at berichtet, sollen pro Jahr während der Weidesaison zwischen dem 1. Mai und dem 15. November maximal zwei Wölfe getötet werden dürfen. Die Verordnung gilt für Gebiete, in denen Wölfe in der Vergangenheit oft Beute gemacht haben. Das betrifft eine Fläche von gut 1.220 Quadratkilometern nördlich der Salzach, genau zwischen Krimml und Werfen. Das Ziel der Maßnahme ist es, schweren Schaden von den Landwirten abzuwenden.
Warten auf den ersten Riss ist keine Option
Die Salzburger Landesregierung sieht keinen anderen Ausweg. Der Wolfsbeauftragte des Landes, Hannes Üblagger, verteidigt das rasche Vorgehen. Er erinnert an das vergangene Jahr, als Kameras einen Wolf zeigten und nur drei Tage später die ersten toten Schafe auf der Wiese lagen. Laut vol.at zahlt das Land zwar rund 350.000 Euro pro Jahr für Herdenschutz, doch Svazek betont, dass man schlichtweg nicht jede Alm mit Zäunen absichern kann. Eine Auswertung von über 6.000 Weideflächen in Salzburg hat, wie salzburg.ORF.at berichtet, ohnehin ergeben, dass Herdenschutz auf dem Großteil der Flächen wegen der steilen Landschaft völlig unmöglich und den Bauern nicht zumutbar ist.
Naturschützer laufen Sturm
Während die Jäger und Bauern aufatmen, schlagen Umweltorganisationen Alarm. Für den WWF ist diese neue Regelung ein absoluter Dammbruch. WWF-Experte Christian Pichler kritisiert die geplante Maßnahme als eindeutig rechtswidrig. Er sieht darin einen Abschuss auf bloßen Verdacht, der das Europarecht ignoriert. Der Wolf spiele eine wichtige Rolle im Ökosystem, da er den Wildbestand reguliert und die Artenvielfalt fördert. Zudem gibt es laut dem Europäischen Gerichtshof strenge Regeln für Ausnahmen beim Artenschutz, die präventive Abschüsse eigentlich nicht erlauben.
Ruf nach klaren Regeln aus Brüssel
Die rechtlichen Rahmenbedingungen sind komplex. Die EU-Kommission hat den Schutzstatus des Wolfes im Vorjahr von „streng geschützt“ auf „geschützt“ gesenkt. Das erleichtert jagdliche Eingriffe ein Stück weit. Svazek verlangt nun klare Antworten von der Bundesregierung und der EU. Sie will wissen, wie viele Wölfe das Land und Europa überhaupt vertragen. Für die Salzburger Politikerin steht fest: Eine normale Schuss- und Schonzeit für den Wolf wird früher oder später unumgänglich sein.
Quellen: oe24.at, vol.at, salzburg.ORF.at, derStandard.at
Credits: APA
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