Sabotage an der TAL-Pipeline: Drei Tage kein Öl für Österreich und Süddeutschland

Sabotage an der TAL-Pipeline: Drei Tage kein Öl für Österreich und Süddeutschland

Ende März wurde in den italienischen Alpen ein gezielter Anschlag auf die wichtigste Ölversorgungsader Mitteleuropas verübt — und drei Tage lang wusste die Öffentlichkeit nichts davon.

Was passierte: Strommast mit Brennschneidflamme abgetrennt

In der Nacht vom 26. auf den 27. März wurde ein Hochspannungsmast, der die Pumpstation der Transalpinen Ölpipeline (TAL) bei Terzo di Tolmezzo in der Provinz Udine versorgt, gezielt beschädigt. Wie oe24 und mehrere deutsche Medien berichten, wurde die Basis des Mastes mit einer Brennschneidflamme abgetrennt — so präzise, dass kein sofortiger Zusammenbruch eintrat, sondern ein langsamer Kollaps. Die Folge: Die Stromversorgung der Pumpstation brach zusammen, der Rohölfluss kam zum Stillstand.

Wie Business Insider und Welt am Sonntag als erste berichteten, bestätigten zwei voneinander unabhängige Quellen den gezielten Sabotageakt. Die Staatsanwaltschaft Triest ermittelt wegen Sabotage, wie oe24 meldet — in Zusammenarbeit mit deutschen Stellen. Das Bundeskriminalamt (BKA) bestätigte laut kettner-edelmetalle.de, mit den italienischen Behörden in Kontakt zu stehen. Ob ein politisches Motiv vorliegt, sei „Gegenstand der weiteren Ermittlungen“.

Drei Tage kein Öl — Raffinerien lebten von Reserven

Die Auswirkungen waren unmittelbar: Bis zum 30. März um 2 Uhr morgens bekam die MiRO-Raffinerie in Karlsruhe — Deutschlands größte, die rund zehn Millionen Menschen mit Kraftstoffen versorgt — laut eigener Aussage drei Tage lang kein Rohöl über die TAL. „Wir haben aus unseren Rohölbeständen gelebt“, räumte eine MiRO-Sprecherin gegenüber Medien ein. Auch die bayerische Bayernoil-Raffinerie überbrückte den Ausfall nur aus Lagerbeständen. Ein Komplettausfall hätte laut tichyseinblick.de zu ernsthaften Versorgungsengpässen an Tankstellen und möglichen Flugausfällen an den Flughäfen München und Stuttgart führen können.

Die TAL — eine kritische Ader für Österreich und Deutschland

Die TAL ist 753 Kilometer lang, seit 1967 in Betrieb und führt vom Hafen Triest über Tolmezzo durch Kärnten nach Kufstein und weiter nach Ingolstadt. In Kärnten zweigt bei Würmlach die Adria-Wien-Pipeline der OMV zur Raffinerie Schwechat ab. Versorgt werden laut oe24 die Raffinerien von OMV (Schwechat und Burghausen), Bayernoil, MiRO sowie Unipetrol in Tschechien. Die OMV bezieht ihr Rohöl ebenfalls über diese Route.

Betreiber dementiert — Ermittler sehen das anders

Die TAL-Betreibergesellschaft erklärte laut vienna.at und SN.at, es habe sich um eine „normale technische Störung“ gehandelt. Der Stromnetzbetreiber Terna habe am 25. März die Abschaltung der Pumpstation in Paluzza verlangt, um Reparaturen durchzuführen. Terna selbst bestätigte jedoch gegenüber Medien, dass ein Strommast nahe Tolmezzo beschädigt worden sei — und führte den Vorfall auf die Handlung Unbekannter zurück.

FPÖ-Sicherheitssprecher Gernot Darmann forderte laut oe24 von ÖVP-Innenminister Karner und SPÖ-Staatssekretär Leichtfried umgehend „volle Aufklärung“: „Wenn ein derartiger Sabotageakt erfolgreich ist, steht unsere Versorgungssicherheit massiv auf dem Spiel.“

Teilen:
0 0 Abgegebene Stimmen
Artikel Bewertung
Abonnieren
Benachrichtigung von
guest

0 Kommentare
Älteste
Neuestes Meistgewählt
0
Ich würde mich über Ihre Meinung freuen, bitte kommentieren Sie.x