Der Iran-Krieg treibt den Ölpreis hoch – von dem Russland profitiert. Doch laut schwedischem Militärgeheimdienst reicht das bei Weitem nicht, um Moskaus wirtschaftliche Probleme zu lösen.
Nilsson: „Russland lebt auf geborgter Zeit“
Wie Business Insider und oe24.at unter Berufung auf die Financial Times berichten, warnt Thomas Nilsson, Chef des schwedischen Militärgeheimdienstes, eindringlich vor der wirtschaftlichen Lage Russlands. Seine Kernbotschaft: Die offiziellen Zahlen aus Moskau seien schlicht falsch – die Realität sei wesentlich schlechter. Russland lebe „auf geborgter Zeit“ und steuere „so oder so auf eine finanzielle Katastrophe“ zu. Nilsson vermutet laut Financial Times, dass möglicherweise nicht einmal Putin selbst das volle Ausmaß der Probleme kenne.
Besonders pikant: Nilsson zweifelt auch an der offiziell gemeldeten Inflationsrate von 5,86 Prozent. Er geht davon aus, dass die tatsächliche Inflation weit näher am russischen Leitzins von 15 Prozent liegt.
Öl reicht nicht – Preis müsste ein Jahr lang über 100 Dollar bleiben
Wie oe24.at und watson.ch unter Berufung auf die Financial Times berichten, hat Nilsson eine klare Rechnung aufgemacht: Damit allein das russische Haushaltsdefizit geschlossen werden kann, müsste der Preis für Urals-Rohöl – Russlands wichtigste Ölsorte – mindestens ein volles Jahr lang über 100 US-Dollar pro Barrel liegen. Für die übrigen kommerziellen Probleme müsste der hohe Preis noch deutlich länger anhalten. Selbst die durch den Iran-Konflikt gestiegenen Ölpreise reichen laut Nilsson nicht aus, um die Lage nachhaltig zu stabilisieren.
Putin gibt Schwäche zu – Baubranche bricht ein
Wie oe24.at und Business Insider berichten, räumte Putin am 15. April bei einer Regierungssitzung selbst ein, dass das BIP hinter den Erwartungen zurückbleibt. In den ersten beiden Monaten des Jahres 2026 schrumpfte die Wirtschaft um 1,8 Prozent – nach einem Wachstum von 3,6 Prozent noch im Jahr 2023. Putin forderte detaillierte Berichte und zusätzliche Maßnahmen, um die Wirtschaft wieder in Gang zu bringen. Besonders dramatisch ist die Lage im Baugewerbe: Laut oe24.at verzeichnete der Sektor im Jänner einen Rückgang von 16 Prozent, im Februar ein weiteres Minus von 14 Prozent.
Strukturelle Ursachen: Kriegswirtschaft als Sackgasse
Wie watson.ch berichtet, sieht Nilsson ein systemisches Problem: Arbeitskräftemangel durch Mobilisierung und Fachkräfteflucht, eine auf Kredit laufende Rüstungsindustrie, die von Korruption durchzogen sei, und Sanktionen, die Exporte wie Importe gleichzeitig belasten. Sein Urteil: „Es ist kein nachhaltiges Wachstumsmodell, Material für den Krieg zu produzieren, das dann auf dem Schlachtfeld zerstört wird.“
Credits: APA
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