Die Pipelines liegen seit fast zwei Jahren leer, nun sollen sie wieder Teil der Weltpolitik werden. Die Sondergesandten von Donald Trump schlagen vor, russisches Gas wieder durch die Ukraine nach Europa zu leiten – als Anreiz für Moskau, den Krieg zu beenden. In Kiew und Europa stößt die Idee auf Ablehnung, im Kreml auf offene Ohren.
“Um Russland zu locken”
Über den Plan berichtete die “New York Times” bereits am 17. Oktober. Steve Witkoff und Trumps Schwiegersohn Jared Kushner sollen demnach in Gesprächen mit ukrainischen und europäischen Vertretern dafür geworben haben, die Gaspipelines durch die Ukraine wieder in Betrieb zu nehmen. “Um Russland dazu zu bewegen, den Krieg in der Ukraine zu beenden, sollte die Ukraine nach Ansicht der Amerikaner erwägen, Pipelines wieder in Betrieb zu nehmen, die früher russisches Erdgas nach Europa transportierten”, zitiert die “Ukrajinska Prawda” aus dem Bericht. Laut “New York Times” sei bei den Gesprächen auch eine Wiederinbetriebnahme der Ostsee-Pipeline Nord Stream angesprochen worden.
Die Logik der Gesandten
Die Argumentation der US-Seite: Russland würde wieder Geld aus Gasexporten verdienen, die Ukraine Transitgebühren kassieren und Europa günstigere Energie bekommen. Witkoff und Kushner verweisen laut “New York Times” auf die Einnahmen, die der Ukraine zufließen würden, und auf den “unvermeidlichen Wunsch europäischer Wähler nach billigerer Energie”. Das Weiße Haus bestätigte, man arbeite eng mit der Ukraine und den europäischen Partnern an einem umfassenden Friedensvorschlag, der “wirtschaftliche Anreize für Russland und die Ukraine” als Teil einer endgültigen Einigung vorsehe. Kremlsprecher Dmitri Peskow erklärte laut oe24, eine Wiederaufnahme der Energiezusammenarbeit liege im Interesse Russlands.
Europa sagt Nein
In Europa ist die Ablehnung deutlich. Europäische Vertreter hätten den Vorschlag zurückgewiesen, berichtet die “New York Times”, insbesondere Deutschland sei gegen eine Rückkehr zu russischem Gas. Die EU hat einen schrittweisen Ausstieg aus russischen Gasimporten beschlossen und würde mit einem solchen Deal Jahre an Bemühungen um mehr Unabhängigkeit von Moskau rückgängig machen. Kritiker sehen zudem ein Problem in der Reihenfolge. Werde der Gashandel vor einem Waffenstillstand angeboten, komme das einer Lockerung der Sanktionen gleich, die den Angriff belohne, schreibt der Politologe Andreas Umland in “The National Interest”. Russland habe bisher wenig Interesse gezeigt, seine Kriegsziele gegen Energiegeschäfte einzutauschen.
Was für Moskau auf dem Spiel steht
Finanziell wäre der Deal für Russland attraktiv. Allein das Ende des Transits durch die Ukraine kostete den Gaskonzern Gazprom laut Umland rund 16 Prozent seiner geplanten Exporte für 2025, das entspricht bis zu 4,5 Milliarden Dollar im Jahr. Russlands Einnahmen aus Öl und Gas sanken in den ersten neun Monaten 2026 um weitere 17,2 Prozent. Der Gasvorschlag ist laut Kyiv Post nicht der einzige wirtschaftliche Anreiz, über den gesprochen wurde: Bei Gesprächen in Miami sollen Witkoff und Kushner auch die Freigabe von bis zu 100 Milliarden Dollar an eingefrorenem russischen Staatsvermögen und einen Verkauf des Auslandsgeschäfts des Ölkonzerns Lukoil an Käufer aus dem Nahen Osten ins Spiel gebracht haben.
Die österreichische Note
Für Österreich ist das Thema nicht abstrakt. Über die ukrainischen Leitungen floss jahrzehntelang russisches Gas auch nach Österreich, zum Gasknoten Baumgarten in Niederösterreich. Mit 1. Jänner 2025 stellte die Ukraine den Transit nach dem Auslaufen des Vertrags mit Gazprom ein, die OMV hatte ihren Liefervertrag mit dem russischen Konzern bereits im Dezember 2024 gekündigt. Ob die Pipelines je wieder russisches Gas transportieren, hängt nun von Verhandlungen ab, die nach dem 10. November in einem neuen Dreierformat zwischen den USA, Russland und der Ukraine stattfinden sollen.
Credits: Kremlin.ru, CC BY 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=123219163
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