Manche Jugendliche sitzen mit zwölf schon im Uni-Hörsaal, andere langweilen sich im Klassenzimmer. Für besonders begabte Schüler soll es an Gymnasien künftig eigene Klassen geben. Bildungsminister Christoph Wiederkehr (NEOS) will dafür eine neue Sonderform der AHS schaffen, der Gesetzesentwurf ist in Begutachtung.
Vom Schulversuch zur fixen Form
Gymnasien und Realgymnasien sollen laut APA ab Herbst spezielle Klassen für Hochbegabte anbieten können, wie oe24 berichtet. Bisher gibt es solche Angebote nur als Schulversuche. Mit der neuen Sonderform würden sie gesetzlich verankert. Wie Schüler für diese Klassen ausgewählt werden und wie der Unterricht dort aussehen soll, geht aus dem Bericht nicht hervor. Das wird sich im Gesetzesentwurf und in den Stellungnahmen der Begutachtung zeigen.
Immer mehr Schüler an der Uni
Dass es Bedarf gibt, zeigt ein bestehendes Programm. Unter dem Titel “Schüler an die Uni” können besonders begabte Jugendliche schon vor der Matura Lehrveranstaltungen an Hochschulen besuchen und Prüfungen ablegen, die ihnen später für ein reguläres Studium angerechnet werden. Gestartet wurde das Programm im Jahr 2000 an der Universität Salzburg. Laut der Agentur für Bildung und Internationalisierung (OeAD), die es abwickelt, nahmen im Wintersemester 2025/26 bereits 170 Schüler teil, nach 58 im Wintersemester 2019/20. Die Zahl der beteiligten Hochschulen hat sich im selben Zeitraum von 19 auf 38 verdoppelt, darunter Fachhochschulen, Privatunis und Pädagogische Hochschulen, aber auch die Universität Liechtenstein und die FernUniversität Hagen. Studiengebühren müssen die Schüler nicht zahlen.
Informatik vorne, auch Zwölfjährige dabei
Die meisten Teilnehmer kamen zuletzt aus Wien (46), Salzburg und der Steiermark (je 24). Zwei Drittel besuchten eine AHS, aber auch Schüler von HTL und HAK nutzen das Angebot vergleichsweise oft. Die meisten sind in einem der letzten drei Schuljahre, zuletzt waren aber auch Zwölfjährige eingeschrieben. Am gefragtesten sind Informatik und Naturwissenschaften mit je 25 Teilnehmern sowie Wirtschafts- und Sozialwissenschaften mit 22. An jeder Partnerhochschule gibt es eine eigene Ansprechperson, an sieben Einrichtungen zudem ein Buddy-System, bei dem frühere Teilnehmer den Jungstudierenden den Einstieg erleichtern.
Fördern und früh trennen?
Die Pläne fallen in eine Phase, in der Wiederkehr die Schulstruktur an mehreren Stellen verändern will. Erst vergangene Woche meldeten mehr als 40 Schulen Interesse an seinem Schulversuch zur sechsjährigen Volksschule, mit dem Kinder später als bisher auf unterschiedliche Schulformen aufgeteilt werden sollen. Die Hochbegabtenklassen setzen dagegen auf gezielte Förderung einer kleinen Gruppe innerhalb des Gymnasiums. Wie die Begutachtung ausfällt, etwa von Lehrervertretern und Elternverbänden, bleibt abzuwarten.
Credits: BKA, Andy Wenzel
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