Rücktritt von ORF-Chef Weißmann: Anwalt spricht von „überschießender Reaktion“

Rücktritt von ORF-Chef Weißmann: Anwalt spricht von „überschießender Reaktion“

Der Rücktritt von Roland Weißmann als Generaldirektor des ORF sorgt für Aufsehen. Der 57-Jährige, der seit 2022 an der Spitze des öffentlich-rechtlichen Senders stand, sieht sich mit Vorwürfen der sexuellen Belästigung konfrontiert. Diese sollen von einer Mitarbeiterin erhoben worden sein und sich auf den Beginn seiner Amtszeit beziehen. Weißmann bestreitet die Anschuldigungen vehement.

Anwalt kritisiert Vorgehen des Stiftungsrats

Weißmanns Anwalt, Dr. Oliver Scherbaum, äußerte sich in einer Stellungnahme kritisch zum Vorgehen des ORF-Stiftungsrats. Laut Scherbaum wurde seinem Mandanten eine Frist von wenigen Tagen gesetzt, um seinen Rücktritt zu erklären. „Eine inhaltliche Überprüfung der Vorwürfe erfolgte nicht“, betonte der Anwalt. Zudem liege Weißmann bis heute kein detaillierter Sachverhalt vor. Dennoch habe sich der ehemalige Generaldirektor entschieden, zurückzutreten, um „Schaden vom Unternehmen abzuwenden“.

Politische Brisanz und mediale Aufmerksamkeit

Der Zeitpunkt des Rücktritts wirft Fragen auf. Nur wenige Monate vor der Wahl des neuen Generaldirektors im August 2026 und inmitten der Vorbereitungen für den Eurovision Song Contest in Wien steht der ORF vor einer Führungskrise. Die interimistische Leitung übernimmt die Hörfunkdirektorin Ingrid Thurnher, eine erfahrene Medienmanagerin.

Der Stiftungsratsvorsitzende Heinz Lederer betonte die Notwendigkeit einer „raschen und transparenten Aufklärung“ der Vorwürfe. Gleichzeitig dankte er Weißmann für dessen langjährige Verdienste im ORF.

Rechtliche Schritte angekündigt

Scherbaum kündigte an, rechtliche Schritte gegen die mediale Verbreitung der Vorwürfe einzuleiten. Diese verletzten die Persönlichkeitsrechte seines Mandanten massiv. Er bezeichnete die öffentliche Diskussion als „überschießende Reaktion“ und wies darauf hin, dass bereits eine Einigung mit der betroffenen Mitarbeiterin erzielt worden sei.

Politische Reaktionen

Die SPÖ lobte das rasche Handeln des Stiftungsrats und hob die Kompetenz von Thurnher hervor. Die Grünen bezeichneten den Rücktritt als „richtigen Schritt“, um den ORF zu schützen. NEOS forderte eine Reform des Senders, um dessen Unabhängigkeit zu stärken.

Ein schwieriges Jahr für den ORF

Neben den internen Herausforderungen steht der ORF auch vor einem Imageproblem. Der Rücktritt von Weißmann könnte die Diskussionen um die politische Einflussnahme auf den Sender weiter anheizen. Bereits bei seiner Bestellung 2021 hatte Weißmann die Unterstützung der ÖVP-nahen Stiftungsräte erhalten, was damals für Kritik sorgte.

Quellen: oe24.at, orf.at, heute.at, kurier.at, ots.at
Credits: APA

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