Rücktritt, FBI-Ermittlung, Debatte: Der Fall Joe Kent und was er über Trumps Iran-Kurs verrät

Rücktritt, FBI-Ermittlung, Debatte: Der Fall Joe Kent und was er über Trumps Iran-Kurs verrät

Der Rücktritt eines hochrangigen US-Geheimdienstlers aus Protest gegen den Iran-Krieg hat in den USA eine heftige Debatte ausgelöst — über Trumps Außenpolitik, die Rolle Israels und die Frage, ob die MAGA-Bewegung gespalten ist. Die Faktenlage ist komplex.

Wer ist Joe Kent — und warum trat er zurück?

Joe Kent war Direktor des National Counterterrorism Center (NCTC), der zentralen US-Behörde für Terrorismusabwehr, und galt als enger Vertrauter von Geheimdienstdirektorin Tulsi Gabbard. Am 17. März 2026 trat er zurück — mit einer unmissverständlichen Begründung. Wie NBC News und CBS News berichten, erklärte Kent in einem auf X veröffentlichten Schreiben an Präsident Trump: „Iran stellte keine unmittelbare Bedrohung für unsere Nation dar.“ Er behauptete, der Krieg sei durch „Druck von Israel und seiner mächtigen amerikanischen Lobby“ ausgelöst worden und sprach von einer „Fehlinformationskampagne“ israelischer Regierungsvertreter.

In einem anschließenden Interview mit Tucker Carlson, wie CBS News berichtet, bekräftigte Kent, es habe weder Geheimdiensthinweise auf einen bevorstehenden iranischen Angriff noch eine „robuste Debatte“ vor Kriegsbeginn gegeben. Das Weiße Haus wies diese Darstellung umgehend zurück: Pressesprecherin Karoline Leavitt bezeichnete Kents Rücktrittsschreiben als voll „falscher Behauptungen“ und betonte, Trump habe „starke und überzeugende Beweise“ für eine bevorstehende iranische Aggression gehabt.

FBI ermittelt — schon vor dem Rücktritt

Kurz nach dem Rücktritt wurde bekannt, dass Kent nicht nur ein Dissident ist, sondern selbst unter Ermittlungsdruck steht. Wie Semafor, NBC News und Fox News Digital unter Berufung auf Geheimdienstquellen übereinstimmend berichten, führt das FBI seit Monaten eine Leckuntersuchung gegen Kent — wegen des Verdachts, vertrauliche Informationen weitergegeben zu haben. Die Ermittlung lief demnach schon vor dem Rücktritt. Gabbard soll von der Untersuchung nichts gewusst haben, wie Fox News Digital unter Berufung auf einen leitenden Geheimdienstbeamten berichtet. Außerdem sei Kent, wie CBS News und Fox News Digital berichten, bereits vor dem Rücktritt aus den Planungsbesprechungen zur Operation „Epic Fury“ und aus den täglichen Lageberichten für den Präsidenten herausgehalten worden. Trump selbst sagte laut NBC News über Kent: „Ich habe immer gedacht, er sei in Sicherheitsfragen schwach.“

Kents Vorwürfe — und ihre Grenzen

Kent erhob schwerwiegende Vorwürfe gegenüber Israel und seiner Lobby in den USA. Wie die Weltwoche unter Berufung auf die New York Times berichtet, betonte das Blatt, Kent „neige seit langem zu Verschwörungstheorien.“ In dem Carlson-Interview hätten beide „unbegründete Behauptungen verbreitet“, Israel könnte am Attentatversuch auf Trump 2024 sowie am Tod des rechten Kommentators Charlie Kirk beteiligt gewesen sein. Für diese Behauptungen gibt es nach aktuellem Stand keine Belege. Kents Vorwürfe zur Rolle Israels sind zudem inhaltlich von der FBI-Ermittlung gegen ihn zu trennen — beide Aspekte sind unabhängig voneinander zu bewerten.

MAGA-Basis steht hinter dem Krieg — entgegen dem Narrativ

Trotz lautstarker Kritik konservativer Kommentatoren wie Tucker Carlson, Megyn Kelly und Candace Owens am Iran-Einsatz zeigt eine aktuelle Umfrage ein anderes Bild. Wie die Weltwoche unter Berufung auf eine Studie der Vandenberg Coalition berichtet, die nach Ausbruch der Operation „Epic Fury“ durchgeführt wurde, befürworten 84 Prozent der Trump-Wähler — und 94 Prozent der sich selbst als MAGA-Konservative bezeichnenden Befragten — die Entscheidung zu den US-Luftangriffen auf den Iran. 86 Prozent der Trump-Wähler sprechen sich für eine Fortsetzung der Militäroperation aus, nur sechs Prozent der MAGA-Konservativen wollen einen Stopp. Auch unter den 18- bis 29-jährigen Trump-Anhängern — die oft als kritischer gegenüber Israel eingeschätzt werden — unterstützen 82 Prozent die Entscheidung zu „Epic Fury.“


Quellen:

  • Weltwoche (weltwoche.de): Hat Trump „America First“ verraten? (20.3.2026)
  • NBC News: FBI investigating former Trump official Joe Kent, resigned over Iran war (18.3.2026)
  • CBS News: Joe Kent, ex-Trump counterterrorism chief, under FBI investigation for alleged leaks (19.3.2026)
  • Semafor: FBI investigates intelligence aide who resigned over war (18.3.2026)
  • Fox News Digital: Inside Joe Kent’s abrupt fall (20.3.2026)
  • CNBC: U.S. counterterrorism director Joe Kent resigns over war (17.3.2026)
  • New York Times (zitiert via Weltwoche): Einordnung zu Kents Vorgeschichte
  • Vandenberg Coalition (vandenbergcoalition.org): Umfrage zu Operation Epic Fury (März 2026)

Credits: APA

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