Rohstoffe aus dem Müll: Totschnig setzt auf Kreislaufwirtschaft

Rohstoffe aus dem Müll: Totschnig setzt auf Kreislaufwirtschaft

Europa hat kaum eigene Rohstoffe – doch was weggeworfen wird, könnte zur strategischen Reserve werden. Umweltminister Norbert Totschnig präsentiert Zahlen und Pläne.

Europa am Rohstoff-Limit

Der Befund ist klar. Wie oe24 aus der Präsentation eines Kreislaufwirtschaftsberichts berichtet, brachte Umweltminister Norbert Totschnig (ÖVP) die Lage auf den Punkt: „Europa ist arm an Rohstoffen.“ Die Konsequenz daraus, so der Minister, müsse sein, Materialien möglichst lange im Kreislauf zu halten. In der EU fallen jährlich laut Totschnig über zwei Milliarden Tonnen Müll an – ein gewaltiges ungenutztes Potenzial. Das Abfallwirtschaftsgesetz soll noch heuer novelliert werden, damit Bauschutt und Bodenaushub schneller wieder als Baustoffe eingesetzt werden können.

Österreich verbessert sich – aber das Ziel ist noch weit

Beim Recycling geht es hierzulande aufwärts, wenn auch langsam. Wie nachrichten.at berichtet, stieg der Anteil von Recyclingmaterial am gesamten Materialeinsatz in Österreich in den vergangenen fünf Jahren von 12 auf 15 Prozent. Bis 2030 soll die sogenannte Zirkularitätsrate auf 18 Prozent steigen. Zum Vergleich: Laut der Beratungsfirma PwC Österreich, die gemeinsam mit dem Senat der Kreislaufwirtschaft des ARA Vereins eine aktuelle Studie dazu erstellt hat, lag Österreich zuletzt bei 12,8 Prozent – und damit zwar über dem EU-Durchschnitt, aber noch deutlich unter dem eigenen Zielwert.

Handlungsbedarf sieht Totschnig laut oe24 auch beim illegalen Export von Altfahrzeugen: Diese werden häufig als „Gebrauchtwagen“ in Nicht-EU-Staaten verschoben, anstatt sie ordnungsgemäß zu recyceln. Dabei wären Altautos eine wichtige Quelle für Stahl, Aluminium, Kupfer und seltene Batterierohstoffe.

Milliardenpotenzial, aber zu wenig Nachfrage

Die PwC-Studie zeigt das wirtschaftliche Gewicht der Branche: Wie oe24 berichtet, wurden der Kreislaufwirtschaft rund 13.800 Unternehmen mit etwa 50.900 Vollzeitäquivalenten zugeordnet, mit einem Umsatz von 16,6 Milliarden Euro und einer Bruttowertschöpfung von 4,5 Milliarden Euro. Laut der ARA-Website könnte diese Bruttowertschöpfung bis 2030 auf über fünf Milliarden Euro jährlich steigen – insgesamt wären bis dahin 35 Milliarden Euro möglich.

Das Problem liegt aber auf der Nachfrageseite. Wie vienna.at berichtet, ortete PwC-Österreich-Vorständin Agatha Kalandra eine zu schwache Nachfrage nach recycelten Rohstoffen: Günstigere Primärrohstoffpreise und hohe Qualitätsanforderungen bremsen den Markt. Einen besonders großen Hebel sieht sie in der Baubranche, wo der Einsatz von Recyclingmaterial noch kaum verbreitet ist.

Industrie und NGOs fordern klare Regeln

ARA-Vorstandssprecher Harald Hauke brachte es laut oe24 auf den Punkt: „Wir brauchen klare Rahmenbedingungen und rechtliche Vorgaben, damit sich Investitionen in Kreislaufwirtschaft langfristig lohnen.“ Die Unternehmen wollen investieren – in Sortier- und Aufbereitungsmaschinen sowie neue Technologien – brauchen dafür aber Planungssicherheit.

Die Umweltorganisation Global2000 geht noch weiter: Wie oe24 berichtet, fordert Global2000-Vertreterin Anna Leitner ein verbindliches Kreislaufwirtschaftsgesetz mit klaren Zielen und messbaren Vorgaben. Das sei „kein Nice-to-have“, sondern Voraussetzung für zukunftsfähiges Wirtschaften. Das Thema Kreislaufwirtschaft hat in der Industriestrategie der Regierung bereits ein eigenes Kapitel erhalten – ob daraus konkretes Recht wird, ist offen.


Quellen:

  • oe24.at: „Totschnig: Europa arm an Rohstoffen“ (23.03.2026)
  • nachrichten.at: „Totschnig: Europa arm an Rohstoffen – Mehr Recycling notwendig“ (23.03.2026)
  • vienna.at: „Totschnig plädiert für mehr Recycling in Europa“ (23.03.2026)
  • Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz (BMLUK): OTS-Presseaussendung zur Pressekonferenz „Status quo der Kreislaufwirtschaft in Österreich“ (22.03.2026)
  • PwC Österreich / ARA Verein – Senat der Kreislaufwirtschaft: Studie „Status quo der Kreislaufwirtschaft in Österreich“
  • ARA AG: „Kreislaufwirtschaft Österreich: Politisches Maßnahmenpaket könnte 35 Milliarden Euro bis 2030 generieren“

Credits: APA

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